Gedanken zum Thema Blasphemie

In unserer freiheitlichen Gesellschaft ist die Auseinandersetzung und Kritik an Religionen durch das staatliche Gesetz geschützt. Man kann sogar sagen, es ist die Pflicht eines mündigen Bürgers, Systeme, seien sie politischer, gesellschaftlicher oder religiöser Natur, mit dem ihn zur Verfügung stehenden Werkzeugen zu hinterfragen und zu kritisieren. Das setzt aber stets eine vernünftige und konstruktive Auseinandersetzung voraus. Eine sachliche Kritik kann die Beziehung zwischen den Menschen und der Kirche, der Gesellschaft und der Politik nur stärken und auf eine solide Basis stellen. Wer die konstruktive Auseinandersetzung fürchtet, der bewegt sich in seiner Überzeugung auf dünnem Eis.

Die Blasphemie – betrachten wir die Herkunft des Wortes, dann kann man es ganz treffend mit „Rufschädigung“ übersetzen – ist aber in erster Linie keine sachliche Kritik, sondern nährt sich heutzutage von Populismus, fehlerhafter Information und mangelndem Respekt.

In jeder Religion auf dieser Welt gibt es eine Vorstellung des „Heiligsten“ oder „Allerheiligsten“. Diesem gegenüber hat der Staat eine Verpflichtung. Es ist nicht seine Aufgabe, institutionelle oder wissenschaftliche Kritik zu verbieten oder gar unter Strafe zu stellen, der Schutz konkreter Glaubensgrundsätze aber ist, sofern diese nicht im Widerspruch zur Verfassung und zum Grundgesetz stehen, geboten.

Aus christlicher Sicht – und ich denke hier nicht aus der Sicht eines aufgeklärten, humanistischen Europas – ist es die Pflicht des Staates, beleidigenden Zynismus und Satire nicht unter den Scheffel der „Meinungsfreiheit“ zu stellen und mit der sachlichen, wissenschaftlichen Religionskritik gleichzustellen. Damit tut er weder der Gesellschaft noch den Religionen, die sich dadurch betroffen fühlen, einen Gefallen.

Die heutige Gesellschaft hat in solchen Dingen leider die Gabe der Differenzierung verloren. Das sehen wir nicht nur im Bereich der Religion, auch Diskussionen über politische Themen, wie beispielsweise die ökonomische Krise Griechenlands, werden mit Emotionen jenseits der Grenzen von Objektivität und Sachlichkeit geführt. Kommuniziert und mitverursacht wird das natürlich unter anderem durch eine Medienlandschaft, die sich oftmals in erster Linie einer hohen Leserschaft und hohen Auflagen verpflichtet fühlt.

Wenn wir uns mit dem Thema näher beschäftigen, sehen wir sofort, dass Kritik nicht darin besteht, Glaubensinhalte zu diffamieren oder herabzusetzen. Wenn wir heute über die Immigration und all ihre Nebenerscheinungen sprechen, dann müssen wir uns auch in der Debatte über den Islam ins Bewusstsein rufen, dass eine tiefere Kenntnis über diese Religion viele Probleme des Zusammenlebens beheben könnte.

Das christliche Europa hat heute mit dem Christentum abgeschlossen. Es betrachtet es als ein Kind der Vergangenheit, dass man durch die Aufklärung überwunden hat und heute nur noch in den Köpfen einzelner Menschen existiert. Man reduziert die Geschichte des Christentums auf die Hexenverbrennung, die Inquisition und die Kreuzzüge – die Bedeutung des Christentums für die Entwicklung des Abendlandes wird auf die negativen Einflüsse eingeengt. Welche Bedeutung die Kirche tatsächlich für den Humanismus und die Aufklärung hatte, ist den meisten Menschen nicht bewusst.

Die Vorstellungen vom Menschen, seiner Beziehung zu Gott, zu sich selbst, zu seiner Schöpfung – der Wert und die Fülle der menschlichen Existenz – das sind Dinge, die in dieser Auseinandersetzung keine Beachtung finden.

Religionen werden generell als etwas „kritikwürdiges“ und keinesfalls „schützenswertes“ betrachtet. In einer Gesellschaft, welche die Religionen in ihrer Stellung so herabgewürdigt hat, ist es dem Staat oft auch kein Anliegen mehr, religiöse Vorstellungen oder Überzeugungen zu schützen. Das ist eine Entwicklung, die kritisch zu betrachten ist.

Die Menschen, die in einer Einheit wie einem Rechtsstaat leben, erwarten sich von diesem den Schutz ihrer Rechte, wie etwa der Schutz vor Gewalt oder Unrecht – es steht ihnen auch zu, vor Angriffen auf ihre Glaubensüberzeugungen sicher zu sein. Eine endgültige Grenze zu ziehen ist äußerst schwer. Das erkennt man unter anderem daran, dass das Staatskirchenrecht zu den diffizilsten Fachgebieten der Rechtswissenschaft und auch des Kirchenrechts gehört.

Das Christentum war immer eine Religion des Dialoges. Am sichtbarsten wird dies in der Person Jesu Christi selbst. Aber natürlich ist die Kirche ein Organismus, der auch in der Welt existiert, und sich im Rahmen dieser entfaltet hat. Den Dialog hat die Kirche aber nie abgelehnt.

Aus unserer orthodoxen Sicht ist die Blasphemie, als Gotteslästerung, natürlich etwas, das die Beziehung des Individuums zu seinem Herrn und Schöpfer schwer belastet. Wir Christen glauben an einen personalen Gott, der sich jedem Menschen offenbart, sobald dieser ehrlichen Herzens die Hand zu ihm ausstreckt – wir betrachten ihn als Vater, der uns schützt, der jeden Schritt unseres Lebens verfolgt und von uns die Kraft und Stärke erwartet, Initiativen für das Gute und das Richtige zu setzen. Die Frage, was das „Gute“ ist, ist für uns Christen einfach zu beantworten, wenn auch die praktische Umsetzung dieser Antwort oft schwierig sein kann. Sie entspringt dem berühmten Satz: „Gott ist Liebe“.

Aus dieser Liebe resultieren nicht nur die christliche Religiosität, sondern auch der respektvolle Umgang und die von Liebe getragene Beziehung des Christen zu seinen Mitmenschen. Sie besteht nicht nur in der goldenen Regel, dass ich das, von dem ich nicht möchte, dass es mir zugefügt wird, auch anderen nicht zufüge, sondern aus dieser Liebe schöpft sich das ganze wahrhafte Interesse des Individuums für seine Nächsten, für die, die um ihn sind.

Das betrachten wir nicht nur aus religiöser Überzeugung heraus als schützenswert, sondern wir sehen es als eine Bereicherung für jede Gesellschaft. Jesus Christus nannte seine Jünger das „Salz der Erde“ – mit der Aufgabe, diese Welt besser für Alle zu machen.

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