Weltgebetswoche „gemeinsames Schöpfen aus der Quelle"

Wir haben eben einen der wundervollsten Dialoge des Neuen Testamentes gehört, der mit der Bitte Christi an die Frau aus Samarien: “Gib mir zu trinken!” beginnt. Eine Bitte, die Christus ausspricht, um mit der Samariterin ins Gespräch zu kommen.

Als sie sich wundert, wie Christus als Jude eine Samariterin um Wasser bitten kann, antwortet Er der Frau: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben will, wird niemals wieder durstig werden;“ Die Samariterin hört ihm gut zu, wundert sich über das Gesagte und verlangt nach diesem lebendigen Wasser, von dem Christus spricht: „Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen!“

Die Samariterin kann von der Quelle des Lebens, also von Christus, nicht unberührt bleiben. Sie ist nicht mehr dieselbe, sie wird sich allmählich bewusst, wie uns Johannes Chrysostomos lehrt, dass das von Christus Gesagte keinen körperlichen sondern einen geistigen Sinn hat.[1] Bei ihr erfolgt eine Sinnesänderung, sozusagen eine Erleuchtung. Obwohl sie nicht sofort versteht, worum es sich eigentlich handelt,[2] zeigt sie vom ersten Augenblick an ein merkwürdiges Vertrauen auf die Worte des Herrn, sie gibt sich völlig der Gnade Gottes hin. Denn genau dies bedeutet der wahre Glaube, nämlich die absolute, aus dem freien Willen hervorgehende Hingabe an die Gnade Gottes.

Das ist der höchste Ausdruck und die erhabenste Form der orthodoxen Vorstellung des Lebens in Christus. Dieses, zusammen mit der Tugend und dem Guten, wird zu einer geistlichen, verinnerlichten Realität und Wahrheit. Erstmals wird durch die Menschwerdung Gottes für den Menschen die Teilhabe an dieser neuen Schöpfung möglich. Die Samariterin zögert nicht, ihren Gesprächspartner nach ersten Zweifeln als den Herrn Jesus Christus anzunehmen. Sie lässt es zu, dass ihre Seele leuchtet, durch die Gnade des Heiligen Geistes. Sie fragt und verlangt nach dem wahrhaften Wasser, der Göttlichen Gnade, „weil ich mich nicht mehr, o Herr Jesus Christus, an der Dürre der Unkenntnis festhalten möchte, sondern Deine Herrlichkeit verkünde.“ Sie wird auf diese Weise zur Bekennerin Christi und Verkünderin Seiner Liebe. Sie offenbart überall die Wahrheit über Gott, der die Herzen der Menschen kennt und der Fleisch wurde, gekreuzigt wurde und auferstanden ist, um den Menschen zu retten. „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist Er vielleicht der Messias?“[3]. Christus veränderte ihren Lebensweg und erfüllte ihre Existenz mit Sinnhaftigkeit. Die Samariterin behielt dies nicht für sich, sondern verkündete es mit Offenheit auch den anderen: „Kommt, seht Christus den Herrn, den Retter unserer Seelen“[4].

Bei dieser Gelegenheit zeigt der Dialog mit der Samariterin die rettende Wahrheit, dass Christus der Messias ist und der Geber des „ewigen Wassers“[5] – „das Leben der Lebenden, die Quelle der Tugendhaften“ gemäß dem heiligen Hymnenschreiber, der also jenes Wasser gibt, das die Quellen der Sünden austrocknet[6] und den Menschen in den Garten Seines eigenen eschatologischen Himmelreiches verpflanzt. Auf die Frage der Samariterin „Woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben hat“[7], antwortete der Herr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“[8] Der Durst des Menschen ist der Durst nach dem Wahrhaftigen und Ewigen, auch wenn er dies manchmal nicht versteht und sich in der Eitelkeit der geringen und vergänglichen Dinge verliert. „Der Mensch dürstet nach einem friedlichen, behaglichen und glücklichen Leben. Und er glaubt, dass dieses Leben seinen Durst zufriedenstellen wird, wenn er die Leichtigkeit erlangt, welche die technisierte Zivilisation bietet. Und wenn er sie mit vielen Kämpfen und Mühen erlangt hat, erkennt er, dass es wieder den Durst in seiner Seele gibt, dass er wieder nach etwas Besserem sucht. Er flüchtet sich in Zerstreuungen, Ausflüge, Erholungsreisen. Und dann fühlt er sich nach einer vorläufigen Genugtuung wieder unzufrieden, genauso wie er sich tatsächlich fühlt, und dürstet wieder körperlich nach dem vorläufigen Löschen mit irdischem Wasser. Warum? Weil der Durst nicht irdisch ist, sondern geistig“[9].

Woher kommt aber dieses Vertrauen der Frau zu den Worten Christi? Das hat, nach der Deutung des großen Photios von Konstantinopel, mit der Aussage des Herrn selbst zu tun. Der Herr habe gesagt: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen.“ Dies ist eine augenscheinliche Tatsache. Mit der zweiten Äußerung „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben will, wird niemals wieder durstig werden“ habe der Herr mit der Größe der Verheißung, die Frau zum Verlangen nach diesem Versprechen und dann zum Glauben daran erheben wollen.[10]

Der Heilige Kirchenvater Johannes Chrysostomos führt aus, dass das ewige Wasser, das den Durst stillt und das Christus gibt, eine Gnade des Heiligen Geistes ist. Diese erfüllt unsere Existenz mit Sinnhaftigkeit und festigt sie auf starken und beständigen geistigen Fundamenten. Und, wie der Heilige Kirchenvater treffend schreibt, „(wie) ein Garten, der voll von verschiedenen Frucht tragenden und immer grünen Bäumen ist, so schmückt der Heilige Geist die Seele mit Bereitschaft, damit sie nicht entsagt, weder Betrübnis noch satanische Nachstellungen zu empfinden, weil sie leicht die glühenden Pfeile des Bösen löscht.“[11].

Das erfrischende Wasser der göttlichen Gnade besitzt also nur Christus. Er ist die Quelle, aus der lebendiges Wasser fließt und welche die Menschen, die an ihn glauben, stärkt. Die Schrift sagt uns, die Braut sei eine Quelle von Gärten, ein Brunnen des Wassers, das lebt und vom Weihrauch her rauscht (Lied der Lieder 9, 4, 15). Mögen auch wir dessen teilhaftig werden, nachdem wir uns jenen ‚Brunnen‘ erworben haben, damit wir dem Befehl der Weisheit gemäß (vgl. Spr. 5, 15-18) kein fremdes Wasser trinken, sondern das Wasser Jesu Christi, unseres Herrn, dem Ehre sei für immer und ewig.“[12]

In diesem Sinne möchten wir im Laufe dieser Gebetswoche für die Woche der Christen aus dieser Quelle schöpfen, um daraus, wie die Samariterin, gelebte Erkenntnis schöpfen können, zum Lobpreis unseres Herrn und zum gemeinsamen Gebet, auf dass alle Christen, die Seinen allehrwürdigen und hohen Namen auf dieser Welt preisen, gemäß dem Wort des Herrn eins seien (Joh 17, 22).


[1] Johannes Chrysostomos Homiliae. 32, 2, PG 59, 184: ἀκούσασα ὕδωρ ζῶν, ἐνόμισε περὶ αἰσθητοῦ τοῦτο λέγεσθαι. Ὕστερον δὲ μαθοῦσα ὅτι πνευματικὰ τὰ λεγόμενα…

[2] Johannes Chrysostomos Homiliae. 32, 2, PG 59, 184.

[3] Joh. 4, 29.

[4] Στιχηρό Ἑσπερινοῦ Κυριακῆς τῆς Σαμαρείτιδος (Stichiron der Vesper des Sonntages der Samariterin)

[5]“Doxastikon” der Lobeshymnen im Morgengebet am Sonntag der Samariterin.

[6] 9. Troparion der Ode des Kanons im Morgengebet am Sonntag der Samariterin.

[7] Joh. 4, 12.

[8] Joh. 4, 14.

[9] Κωνσταντίνου Παπαγιάννη, Ὁμιλίες στό κατά Ἰωάννην Εὐαγγέλιο, Θεσσαλονίκη 2009, S. 130-131.

[10] Vgl. Photius von Konstantinopel, 74: Καὶ ὅρα τὸ σοφὸν τῶν λόγων καὶ τὴν δύναμιν· τὸ μὲν ὅτι διψήσει πάλινεἶπεν οὐ δεόμενον κατασκευῆς ἀλλαχόθεν (αὐτόκλητον γὰρ εἶχε τὴν γυναῖκα μάρτυρα), τὸ δὲ οὐ μὴ διψήσῃ εἰς τὸν αἰῶνα, τῷ μεγέθει τῆς ἐπαγγελίας εἰς ἔφεσιν αὐτὴν τῆς ὑποσχέσεως διανιστῶν, δι’ ἀμφοῖν δὲ πρὸς ἐπιστασίαν ἄγων θειοτέρας ὑπολήψεως·

[11] Johannes Chrysostomos Homiliae. 32, 2, PG 59, 184.

[12] Gregor von Nyssa, Homiliae, 9, zu Cant. 4, 15, In Canticum Canticorum Homiliae 3 Bände., Übersetzt und eingeleitet von F. Dünzl, Freiburg 1994 (Fontes Christiani 16/2), Bd. II, S.537-538.

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