Stellungnahme Seiner Eminenz Arsenios von Austria zu den haltlosen Angriffen gegen Seine Allheiligkeit den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios
Wir leben, meine Brüder, in einer Welt, in der sich das Wort vervielfältigt hat, aber der Sinn schwindet. Wo alles interpretiert, aber nur weniges verstanden wird. Inmitten dieser Verwirrung ist der jüngste Angriff gegen den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios nicht bloß eine weitere Episode politischer Auseinandersetzung. Er ist etwas Tieferes und Schmerzhafteres. Er ist ein Symptom einer geistlichen Krankheit, die sich nicht auf die Grenzen der Diplomatie beschränkt, sondern den Kern unseres kirchlichen Selbstbewusstseins berührt.
Wenn das Wort an den Punkt gelangt, sich in apokalyptische Phraseologie zu kleiden und Vorwürfe der geistlichen Dämonisierung auszustoßen, dann haben wir es nicht mit einer theologischen Meinungsverschiedenheit zu tun, sondern mit einer Entstellung des Glaubens. Die Kirche hat nie gelernt, in Begriffen der Hybris und der Dämonologie über ihren Bruder zu sprechen. Diese Sprache ist nicht die Sprache der Väter, sondern die Sprache der Verwirrung. Und wo die Verwirrung herrscht, dort weicht die Wahrheit zurück und ihren Platz nimmt die Ideologie ein.
Das Ökumenische Patriarchat ist kein Machtmechanismus und kein Werkzeug der Geopolitik. Es ist der historische Mutterschoß der Orthodoxie unserer Völker. Es ist das lebendige Gedächtnis daran, dass die Kirche Nationen gebiert, nicht von ihnen geboren wird. Von Konstantinopel aus wurden die Slawen erleuchtet, dort empfingen sie die Taufe, die Schrift, ihre liturgische Sprache, ihre theologische Identität. Diese Beziehung ist keine Beziehung der Herrschaft, sondern der Mutterschaft. Und die Mutterschaft wird nicht in Begriffen der Macht gemessen, sondern in Begriffen des Opfers und des Gedächtnisses.
Wenn die Kirche mit dem Staat verwechselt wird und der Glaube sich mit nationalen Strategien identifiziert, dann wird das Evangelium verfälscht. Die Orthodoxie ist keine Ideologie kultureller Überlegenheit noch ein Vehikel imperialer Visionen. Sie ist eine Weise des Daseins, eine Gemeinschaft von Personen, eine Übung der Demut. Jeder Versuch, sie in ein Banner geopolitischer Macht zu verwandeln, verrät sie von innen heraus.
Es schmerzt uns tief, dass Brüder sich gegen die Quelle ihrer eigenen geistlichen Geburt wenden. Denn hier wird nicht nur über eine Institution geurteilt, sondern über unsere Fähigkeit, uns zu erinnern. Und ohne Gedächtnis gibt es keine Dankbarkeit. Und ohne Dankbarkeit wird die Undankbarkeit zur Lebenshaltung.
Das Ökumenische Patriarchat antwortet, wie immer, mit Nüchternheit und Würde. Mit der stillen Kraft dessen, der weiß, dass die Wahrheit keine Schreie nötig hat. Doch unsere eigene Verantwortung erschöpft sich nicht im Schweigen. Das Schweigen, wenn es um die Mutterkirche geht, ist keine Neutralität. Es ist Abwesenheit.
Die Verteidigung des Phanar ist kein Akt des Nationalismus, sondern ein Akt der Selbsterkenntnis. Wir verteidigen kein „Lager“, sondern das Gedächtnis unserer Kirche. Wir verteidigen das Recht der Orthodoxie, Kirche zu bleiben und kein ideologisches Anhängsel irgendeiner Macht zu sein.
Im Lärm der Zeiten bleibt der Phanar unbequem, weil er daran erinnert, dass die Kirche nicht von der Macht lebt, sondern vom Dienst. Und vielleicht ist es genau das, was jene fürchten, die ihn bekämpfen. Und vielleicht ist es genau das, was auch wir zu vergessen drohen.
Das Gedächtnis, wenn es beharrt, wird zum Akt des Widerstands. Und die Dankbarkeit, wenn sie ausgedrückt wird, wird zum Akt der Wahrheit. Dieser Wahrheit müssen wir heute dienen, mit Schmerz in der Seele, mit Demut, aber auch mit klarem Wort. Damit in der Verwirrung nicht nur die Ehre einer Institution verloren geht, sondern auch die Seele unserer Orthodoxie.