Feier des Festes des heiligen Konstantin und der heiligen Helena
Fest des heiligen Georg mit der ukrainischsprachigen Gemeinde
Aneva Milo – Kateva Rodi / Musikpädagogische Vorstellung
Patronatsfest in Ungarn: „Zur Weisheit Gottes“
Österlicher Pastoralbesuch in Bregenz 2018

Weihnachtsbotschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartolomaios I. 2017

Protokollnummer: 1123

Weihnachtsbotschaft des Ökumenischen Patriarchen 
+ B A R T H O L O M A I O S
durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche Gnade, Erbarmen und Friede
von Christus, unserem in Bethlehem geborenen Erlöser

 Im Herrn geliebte Brüder und Kinder,

durch Gottes Gnade wurden wir wiederum gewürdigt, das große Fest der leiblichen Geburt des göttlichen Wortes zu feiern. Es ist in die Welt gekommen, um uns das vollkommene Leben,[1] die Befreiung von Sünde, von der Versklavung durch die Werke des Gesetzes und vom Tod zu schenken; um uns das wahre Leben und jene große Freude zu schenken, „die niemand von uns nehmen kann“.[2]

Wir empfangen „den vollkommenen Gott“,[3] den „die Liebe der Erde gebracht hat“,[4] den der uns „näher ist als wir selbst“.[5] Das sich seiner Gottheit entäußernde Wort steigt zu seinem in die Irre gegangenen Geschöpf herab, indem es sich „unsagbar und unfassbar erniedrigt“.[6] Der, den kein Raum umfassen kann, geht ein in den Schoß der Jungfrau. Der Große wohnt im Kleinen. Dieses große Hauptstück unseres Glaubens, dass der überwesentliche Gott „auf übermenschliche Weise Mensch geworden ist“,[7] bleibt ein „nicht offenbartes“ Mysterium. „Das große Mysterium der göttlichen Menschwerdung bleibt für immer ein Mysterium.“[8] 

Dieses fremdartige und wunderbare Ereignis, „das seit ewigen Zeiten und Geschlechtern verborgene Mysterium“,[9] ist das Fundament der gnadenhaften Vergöttlichung des Menschen. „In keinem anderen ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet werden“.[10] Das ist die höchste Wahrheit zur Rettung des Menschen. Wir gehören zu Christus. Alles ist in Christus geeint. In Christus wird unsere der Verwesung preisgegebene Natur neu gebildet; wird die Ebenbildlichkeit wiederhergestellt und jedem Menschen der Weg zur Ähnlichkeit Gottes gebahnt. Weil das göttliche Wort die menschliche Natur angenommen hat, weil die göttliche Vorsehung und die Rettung allen gemeinsam ist, ist auch der Grund für die Einheit des Menschengeschlechts gelegt. Doch wird nicht allein die Menschheit, sondern die gesamte Schöpfung erlöst. Wie der Fall der Stammeltern die ganze Schöpfung mit sich ins Verderben reißt, so betrifft auch die Menschwerdung des Sohnes und Wortes Gottes die gesamte Schöpfung. „Die Schöpfung ist befreit und die ehedem Verfinsterten erscheinen als Söhne des Lichts.“[11] Der hl. Basilius fordert uns auf, Christi heilige Geburt als das „die ganze Schöpfung umfassende Fest“, und als „den Geburtstag der Menschheit zur Rettung der Welt“[12] zu feiern.

Das „Christus wird geboren“ ertönt leider wiederum in einer Welt, die von Gewalt, gefährlichen Spannungen, sozialer Ungleichheit und der Missachtung der grundlegenden allgemeinen Menschenrechte erfüllt ist. Im Jahr 2018 sind es 70 Jahre seit der weltweiten Proklamation der allgemeinen Menschenrechte. Nach der furchtbaren Erfahrung und den Katastrophen des Zweiten Weltkriegs hat diese Proklamation die grundlegenden hohen Ideale propagiert, die alle Völker und alle Staaten der Erde uneingeschränkt respektieren müssen. Allerdings setzt sich die Missachtung dieser Proklamation fort. Vielfältige Missbräuche und intendierte Missdeutungen der Menschenrechte unterminieren ihren Rang und ihre Realisierung. Weiterhin gilt, dass wir weder gegenwärtig noch zukünftig aus der Geschichte Lehren ziehen wollen. Weder die tragischen Erfahrungen von Gewalt, noch die Schändung der menschlichen Person, noch die Bekräftigung hoher Ideale konnten die Fortsetzung von Gewaltausübung und Kriegen, den Machthunger und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen verhindern. Aber natürlich konnten auch die Kraft technischer Mittel, die herausragenden Errungenschaften der Wissenschaft oder der wirtschaftliche Fortschritt die soziale Gerechtigkeit und den vielersehnten Frieden nicht herbeiführen. Im Gegenteil; in unserer Zeit wächst das Wohlstandsdenken der Besitzenden und zerstört die Globalisierung die Bedingungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des Friedens.

Die Kirche kann diese Bedrohungen der menschlichen Person unmöglich ignorieren. „Denn nichts ist in dem Maße heilig wie der Mensch, an dessen Natur Gott Anteil genommen hat.“[13] Wir kämpfen für den Menschen, für den Schutz der Freiheit und der Gerechtigkeit, im Wissen darum, „dass der wahre Friede von Gott kommt“[14] und dass das unbegreifliche Mysterium der Inkarnation des Wortes Gottes und der gnadenhaften Vergöttlichung des Menschen die Wahrheit über seine Freiheit und seine göttliche Bestimmung offenbart.

Wir leben in der Kirche die Freiheit; jene Freiheit, die Christus uns gibt; die Freiheit, die darin besteht, in Christus zu leben; die Freiheit, die uns zu Christus führt. Zum Kern dieser Freiheit gehört die Liebe, „die nicht das Ihre sucht“;[15] die Liebe, die „aus einem reinen Herzen entspringt“.[16] Während der selbstgesetzliche, der nach eigenem Gutdünken lebende und sich selbst genügende, der sich selbst vergöttlichende und sich selbst glücklich schätzende Mensch um sich selbst und seine individuelle selbstgefällige Glückseligkeit kreist und den Mitmenschen als Beschränkung seiner Freiheit betrachtet, richtet sich die Freiheit in Christus auf den Bruder, auf den Nächsten, und gibt der Wahrheit Zeugnis in der Liebe. Die Sorge des Gläubigen besteht nicht darin, seine Rechte einzufordern, sondern in Demut und Dankbarkeit „die Weisungen Christi zu erfüllen“.[17]

Diese Wahrheit des Lebens in Christus, der Gerechtigkeit als Liebe und der Liebe als Gerechtigkeit, ist der Grundstein und die Garantie für die Zukunft der Menschheit. Wenn wir uns auf dieses in Gott gegründete Ethos stützen, können wir die großen Herausforderungen der Gegenwart, die nicht nur das Leben in Fülle, sondern sogar das Überleben der Menschheit bedrohen, meistern. Die Wahrheit des „Gottmenschen“ als Antwort auf den zeitgenössischen „Menschen-Gott“ und als Nachweis seiner ewigen Vorherbestimmung hat auch das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche (Kreta 2016) betont: „Die orthodoxe Kirche stellt dem zeitgenössischen „Menschen-Gott“ den „Gottmenschen“ als letztes Maß aller Dinge gegenüber: ‚Wir sagen nicht, der Mensch sei Gott, sondern Gott sei Mensch geworden‘.[18] Sie – die orthodoxe Kirche – offenbart die rettende Wahrheit des Gottmenschen und Seinen Leib, die Kirche, als Ort und Weise des Lebens in Freiheit, als das ‚Die-Wahrheit-in-Liebe-Bezeugen‘[19] und als schon auf Erden gewährte Teilhabe am Leben des auferstandenen Christus“.[20]

Die Inkarnation des Wortes Gottes ist die Vergewisserung und die Gewissheit, dass Christus selbst die Geschichte als Weg zum Reich Gottes am Ende der Zeiten führt. Natürlich war der Weg der Kirche zum Reich Gottes, der nicht fern und unabhängig von der geschichtlichen Realität, ihren Widersprüchen und Wandlungen verläuft, niemals ein Weg ohne Beschwernisse. Inmitten dieser bezeugt die Kirche die Wahrheit und vollzieht ihr Werk der Heiligung, der Seelsorge und der Verklärung der Welt. „Denn die Wahrheit ist ein Pfeiler und eine Grundfeste der Kirche … Die Kirche ist ein Pfeiler der bewohnten Welt … und sie ist ein Mysterium, das groß ist und ein Mysterium der Frömmigkeit“.[21]

Brüder und Kinder im Herrn,

lasst uns in von Jubel und Freude erfülltem Wohlgefallen an dem Wort Gottes, das unter uns Wohnung genommen hat, die Feste der heiligen zwölf Tage begehen. Wir erbitten Euch vom Phanar aus, der Fleisch gewordene und zum Menschengeschlecht herabgestiegene Herr und Erlöser schenke in dem neuen Jahr seiner Güte allen Gesundheit an Seele und Leib, Frieden und gegenseitige Liebe; er bewahre unversehrt seine heilige Kirche und segne die Werke ihres Dienstes, auf dass sie Seinen überheiligen und überaus gepriesenen Namen verherrliche.

Weihnachten 2017

+ Bartholomaios von Konstantinopel, euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


[1] Gregor d. Theologe, 38. Rede (PG 36,313).

[2] Joh 10,18.

[3] Doxastikon der Aposticha der Großen Vesper von Christi Geburt.

[4] Nikolaos Kabasilas, Vom Leben in Christus, 6. Kap. (PG 150,657).

[5] A.a.O. (PG 150,660).

[6] Johannes von Damaskus, De Fide Orthodoxa 3,1 (PG 94,984).

[7] Maximos der Bekenner, Theologische und Heilsgeschichtliche Centurien, 1. Centurie 12 (PG 90,1184).

[8] A.a.O.

[9] Kol 1,26.

[10] Apg 4,12.

[11] Jambische Katavasien von Theophanie, 8. Ode.

[12] Basilius der Große, Rede über Christi Geburt (PG 31,1472-73).

[13] Nikolaos Kabasilas, s.o. (PG 150,649).

[14] Johannes Chrysostomos, Homilien zum Ersten Korintherbrief, 1. Homilie (PG 61,14).

[15] 1 Kor 13,5.

[16] 1 Tim 1,5.

[17] Theotokion der Aposticha der Ainoi vom 12. Oktober.

[18] Johannes von Damaskus, De Fide Orthodoxa 3,2 (PG 94,988).

[19] Vgl. Eph 4,15.

[20] Enzyklika des Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxen Kirche, § 10.

[21] Johannes Chrysostomos, Homilien zum Ersten Timotheusbrief, 11. Homilie (PG 62,554).

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