Osterbotschaft 2026
Meine geliebten Kinder,
Die Auferstehung Christi wird erneut vierzig Tage lang feierlich mit dem österlichen Gruß verkündet „Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!“ und wie der Beginn des neuen, des wahren Lebens gefeiert. Das leere Grab des gekreuzigten und begrabenen Gottmenschen offenbart den Gläubigen jeder Generation den Plan der göttlichen Heilsökonomie für die gemeinsame Auferstehung.
Die Auferweckung des Sohnes Gottes von den Toten ist ein Geheimnis, das die Art und Weise verändert, wie wir unser persönliches Leben und die Weltgeschichte verstehen. Eine neue Schöpfung hat in der Welt Einzug gehalten. Der Tod ist nicht mehr das unausweichliche Ende des Lebens und nicht mehr das letzte Wort über die Existenz des Menschen. „Es ist gekommen das Reich des Lebens, und die Macht des Todes ist zerstört worden. Es ist eine andere Geburt geschehen, ein anderes Leben, eine andere Gestalt des Lebens, eine Umwandlung unserer eigenen Natur“, schreibt der Heilige Gregor von Nyssa in einer seiner Osterpredigten (PG 46, 604C). Die Auferstehung ist der Sieg des Gehorsams gegenüber dem Willen des Vaters, es ist die Vollendung der opfernden Liebe Christi. Seine liebende Hingabe des eigenen Lebens hat erneut offenbart, dass der eigentliche Sinn und das Ziel des Menschen darin besteht, in der Gemeinschaft der Liebe mit seinem Schöpfer, mit seinen Mitmenschen und mit der gesamten Schöpfung zu existieren. Wenn sich die Existenz der Liebe öffnet – Gott selbst, entdeckt sie ihren wahren Horizont. Wenn sie sich jedoch in sich selbst verschließt, schrumpft sie zusammen und gerät in Angst.
Das egozentrische Haften der Menschen an ihrem eigenen Willen verursacht immer tiefe Wunden. Kriege, Konflikte und Unsicherheit verdunkeln die Geschichte. Menschen verlieren ihre Heimat, die Sicherheit ihres Lebens und die Hoffnung auf die Zukunft. Das erlebte Geheimnis der lebensspendenden Auferstehung des Gottmenschen aber führt uns weg von Gewalt und Zwietracht. Wir haben die Verantwortung, die Wahrheit der Liebe zu bewahren und sowohl mit Worten als auch mit Taten allen unseren Brüdern und Schwestern beizustehen, die unter den Schmerzen des Krieges, unter Verlust und Entwurzelung leiden. Der auferstandene Herr Jesus Christus ist der Fürst des Friedens. Diejenigen, die den Krieg lieben und herbeiwünschen, können nicht in Beziehung zu Christus stehen. Gott wirkt weiter in der Geschichte und verwandelt die Finsternis in Licht und den Tod in Leben.
Christus ist auferstanden! „Nun ist alles mit Licht erfüllt: der Himmel, die Erde und die Unterwelt.“ Das Licht der Auferstehung erinnert uns daran, dass auf jede Nacht der Tag folgt. Der Friede entsteht nicht aus Macht, sondern aus der Verwandlung des Herzens. Wenn der Mensch mit österlicher Gesinnung lernt, im Antlitz des anderen einen Bruder zu erkennen, wird Versöhnung möglich und das Leben gelingt. Lasst uns daher das Geheimnis der Auferstehung als eine Existenzweise annehmen, als eine Einladung, mit Glauben, Liebe und Frieden zu leben.
Mit väterlicher Liebe und österlichen Wünschen,
Euer Bischof
† Metropolit Arsenios von Austria und Exarch von Ungarn
