Die Weihnachtsikone der Geburt Christi

Ihre Bedeutung und Auslegung durch die Väter

Metropolit Arsenios von Austria und Exarch von Ungarn und Mitteleuropa

Das freudvolle Ereignis der Menschwerdung Christi teilt die Schöpfungsgeschichte in zwei Teile: vor Christus und nach Christus. Allein diese Einteilung der Zeit führt deutlich vor Augen, dass die Geburt Christi den Verlauf der Menschheitsgeschichte wesentlich geändert hat. Dieses Ereignis, in seiner Bedeutung einzigartig, wird seit Jahrhunderten in einer Fülle an Ikonen, Bildern, Fresken und sogar dreidimensionalen Kunstwerken wie in Krippen dargestellt. Unsere kirchliche Tradition und das kirchliche Leben lehren uns, diese heilige Ikone der Geburt des Gottmenschen, die es in jeder Kirche gibt, zu erkennen und am Weihnachtsfest in besonderer Weise zu verehren. Gemäß dem Eintrag im Synaxarium vom 25. Dezember verehren und feiern wir die Geburt unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus dem Fleische nach, die Anbetung der drei Könige und das Gedächtnis der Hirten, die den Herrn schauten. Diese Ereignisse werden in der orthodoxen Hagiographie ohne jene weltlichen Elemente dargestellt, die sich säkulare Künstler ausgedacht haben.

In der orthodoxen Kirche versinnbildlichen die heiligen Ikonen immer das Dogma, die heilige und unwandelbare Lehre, die wir als Wahrheit glauben. Eine heilige Ikone ist also kein weltliches Schmuckstück und auch nicht einfach eine Abbildung einer Szene aus der heiligen Schrift. Sie ist ein untrennbarer Teil der liturgischen Praxis der Kirche und stellt ein Mittel dar, Gott zu erkennen und mit Ihm vereint zu werden. Was die ganze Kirche als Gotteshaus und Tempel im Raum repräsentiert, das repräsentiert die Ikone in der Zeit, nämlich die Widerspiegelung der göttlichen Herrlichkeit und die vorausblickende Schau des messianischen Himmelreiches. Das Wort und die Ikone bilden in der Liturgie eine Ganzheit, durch welche die Tradition das Evangelium lebendig hält. Die Ikone heiligt den Blick, denn Christus und die Heiligen werden nicht nur vernommen, sondern auch gesehen.[1] Aus diesem Grund ist auch das kleinste ikonographische Detail von größter Wichtigkeit.

Die Väter der Kirche betonten von den ersten Jahrhunderten an die Nützlichkeit der Bilder als didaktische Mittel, um die dogmatische Lehre der Kirche auch von jenen Menschen verständlich machen zu können, die den Inhalt der heiligen Texte nicht leicht verstehen. Seit damals und bis heute sind die heiligen Ikonen und ihre Verehrung ein nicht wegzudenkendes Element in der Wahrnehmung und im Verständnis des Glaubens. Auch der Ökumenische Patriarch Bartholomäus bezieht sich in seinen Ansprachen oft auf die Bedeutung der Ikonen für die Christen und verbindet dies mit der Menschwerdung des Logos Gottes: In den Ikonen wird „die unvermischte und ungetrennte Einheit des Göttlichen und des Menschlichen“ ausgedrückt, „die Vision des Menschen und der Welt“.[2] Für den Patriarchen „rechtfertigt die Ikone nicht nur, sondern sie verlangt nach der Ur-Ikone, der Ikone Christi“, denn im Antlitz Christi kommt Gott selbst zu uns, um den Tod zu besiegen und uns den Weg der Vergöttlichung zu eröffnen. „Das undurchdringliche Mysterium der Fleischwerdung Gottes“ ist nach dem theologischen Verständnis des Patriarchen „zugleich furchterregend und doch verehrungswürdig, es bringt Sinn und Hoffnung, eine Überschreitung des sich stets erneuernden Leidens einer Menschheit, die nichts mehr bezaubert oder beunruhigt. Das Mysterium der Fleischwerdung ist das Kriterium und Richtmaß unserer Theologie, denn das Christentum ist nicht ein System, sondern eine Person“.[3] Die Ehre und die Verehrung, die wir den heiligen Ikonen erweisen, ist zudem auch ein Element, das die östliche und die westliche kirchliche Tradition miteinander verbindet.[4]

3552702419.jpegUm die enge Verbindung zwischen der Ikone, ihrer Verehrung und Theologie zu verstehen, lohnt es sich, wenn wir die Ikone der Geburt Christi betrachten, das bekannte Kathisma des Weihnachtsfestes zu singen: „Kommt und seht, ihr Gläubigen, wo geboren ward Christus! Wir wollen also folgen, wohin der Stern uns leitet, mit den Weisen, den Königen des Ostens. Es singen dort die Engel Hymnen ohne Unterlass. Die Hirten wachen auf freiem Felde und spielen ein würdiges Lied: Ehre sei Gott in der Höhe, so preisen sie den in der Höhle heute Geborenen, aus der Jungfrau und Gottesgebärerin, in Bethlehem in Judäa.“[5] Denn so wird deutlich, dass sowohl die Ikone als auch der Hymnus den hohen Glaubensgehalt wiedergeben, wenn auch mit unterschiedlichen Ausdrucksformen.

Im Folgenden wollen wir uns also besonders der Auslegung der Ikone der Geburt Christi widmen. Dies führt uns auch in die Lehre der Väter über das Ereignis der Fleischwerdung Gottes und des Logos.

Die ikonographische Darstellung der Geburt von unserer Kirche geschieht in einer Weise, die das einmalige Ereignis der Menschwerdung als ständige Gegenwart offenbart und erlebbar macht. Zentrales Thema der Ikone ist ohne Zweifel die Höhle mit dem göttlichen Kind. Wie der Evangelist Lukas schreibt, ging die Allheilige Gottesmutter mit Joseph nach Bethlehem, um sich dort einzuschreiben „und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). In dieser Krippe im Stall, nicht in einer Herberge, schlief also zum ersten Mal das göttliche und in Windeln gewickelte Kind.

„Die Geburt Christi wird in den byzantinischen Ikonen mit jener geistigen Heiligkeit dargestellt, die auch im Evangelium enthalten ist. Das Mysterium wird also […] auf einfache und zugleich tiefe Weise dargestellt, ohne affektierte Gewänder und leere Ästhetik […]“, schreibt Photis Kontoglou, ein begnadeter Maler, Hagiograph und Literat des vergangenen Jahrhunderts. Weiters beschreibt er den „Typos der Geburt“ gemäß den byzantinischen Hagiographen: „In der Mitte befindet sich die Höhle, umgeben von schroffen Felsen […]“.[6]

In den Ikonen der Geburt Christi befindet sich die Krippte inmitten in der dunklen Öffnung der Höhle. Der orthodoxe Hagiograph stellt die Höhle dunkel dar, um mit der schwarzen Farbe die von der Sünde verdunkelte Welt zu symbolisieren, in die jetzt das Licht Christi hineinstrahlt. In der Krippe liegt Christus als Kind, eingewickelt in weiße Windeln und mit einem Heiligenschein um den Kopf, dem Symbol Seiner Göttlichkeit. So wird emphatisch zum Ausdruck gebracht, dass der kleine Christus das Zentrum der ganzen Komposition ist, der die Fesseln zerreißen wird, die den Menschen so eng mit der Sünde verbinden.

Die Höhle, die Krippe, die Windeln – sie alle sind sprechende Zeichen Seiner Kenose, der Erniedrigung der Gottheit, Seiner Herablassung und Seiner äußersten Demut, der, obgleich unsichtbar Seiner göttlichen Natur nach, im Fleisch sichtbar wird zum Heil des Menschen und Seinen Tod und Grablegung bereits vorausblickend anzeigt: Krippe-Grab und Windeln-Leichentücher. Die Geburt bereitet uns also bereits eindrücklich auf Ostern vor. Auf diese Weise wird deutlich, dass Christus mit einer eschatologischen Perspektive geboren wurde.[7] Tatsächlich stellen wir fest, wenn wir die Krippe auf den Ikonen der Geburt Christi betrachten, dass sie einem Grab ähnelt und die Windeln Leichentüchern aus dieser Zeit. Diese Elemente führen uns zur Ikonographie der Auferstehung, denn wenn wir den „Abstieg in die Unterwelt“ in ihrer orthodoxen Darstellung betrachten, so wird uns sicher die Ähnlichkeit der Krippe mit den darin abgebildeten Gräbern auffallen.

In einer anderen Variante wird die Krippe als Altar dargestellt, denn in der Heiligen Eucharistie werden die Menschen Brüder und Schwestern, da sie das Brot des Lebens teilen, den menschgewordenen Jesus Christus.[8]

Neben dem göttlichen Christuskind ist immer die Gottesgebärerin. Während sie in unmittelbarer Beziehung zu Christus dargestellt wird, so befindet sie doch in einigem Abstand von ihm, denn sie ist sich Seiner Göttlichkeit bewusst. Die Position der allheiligen Gottesgebärerin in der Ikone ist von großer Bedeutung, denn sie spiegelt ihre Stellung innerhalb des heilschaffenden Werks Christi wider. Sie trägt, wie auf beinahe all ihren Abbildungen, drei Sterne: am Kopf, sowie rechts und links von der Brust. Mit diesen drei Sternen wird die Jungfräulichkeit Marias bezeichnet: vor der Geburt, in der Geburt und auch nach der Geburt. So wird also die theologische Lehre der Kirche über die Gottesgebärerin ausgedrückt: Nur sie, die neue Eva, stand nicht unter der pädagogischen Strafe Gottes, ihr Kind mit Schmerzen zu gebären, wie alle anderen Frauen. Christus wurde ohne Lust empfangen, die natürlichen Gesetze übersteigend, und wurde deshalb auch ohne Schmerzen geboren. Mit der Empfängnis ohne Samen und ohne Verderbnis, mit der „übernatürlichen“ Geburt wird der zerstörerische Kreislauf der Lust und der Schmerzen durchbrochen.[9]

Die Gottesgebärerin ist, wie wir bereits festgehalten haben, die neue Eva. Wie die erste Eva die Mutter aller vor Christus geborenen Menschen wurde, so wird die neue Eva, die Gottesgebärerin, die Mutter der neuen Menschheit. Erstere hörte auf den Ruf des Teufels, während zweitere den Ruf des Erzengels Gabriel vernahm und eine Rolle im Heilsplan des Menschen einnahm. Die Melancholie der Allheiligen, die wir in der Ikone der Geburt Christi sehen können, weist bereits hin auf ihren Schmerz unter dem Kreuz Christi.

Zwischen Ost und West haben sich zwei grundsätzliche Typen (mit einigen Abwandlungen) der Abbildung der Gottesgebärerin in der Ikone der Geburt Christi entwickelt.[10] Der erste Typ herrscht vor allem im Westen vor, der zweite im Osten. Nach dem ersten sitzt die Gottesgebärerin vor der Krippe und schaut Christus mit ruhigem, beinahe kontemplativen Blick an. Auf diese Weise wird das Schmerzlose der Geburt und die Jungfräulichkeit der Gottesmutter dargestellt. Die Betonung liegt auf der Göttlichkeit des Kindes und dem übernatürlichen Charakter der Geburt, die sich gegen die falsche Lehre des Nestorianismus wendet. Nach der zweiten Art wird die Gottesgebärerin auf einem Bett oder einem Lager liegend dargestellt, um die Menschheit Christi zu betonen.

Im griechischen Raum begegnet oft die Darstellung der allheiligen Gottesgebärerin, wie sie vor der Krippe ihres Sohnes kniet. Sie geht zurück auf die Inspiration des Theophanes von Kreta, wie sie sich im Kloster Stavronikita (1546) und später in anderen Klöstern des Heiligen Berges Athos und in Meteora findet. Auch wenn diese Art der Darstellung eigentlich auf westliche Einflüsse zurückzuführen ist, fand sie Eingang in das „Handbuch der Malerei“ (griech. Hermeneia tēs Zōgraphikēs) des Dionysios von Phourna (18. Jh.)[11], denn die künstlerischen Entscheidungen stehen immer in Beziehung mit tieferen existenziellen und theologischen Horizonten sowie kulturellen Einflüssen.

In selteneren Formen wird die Gottesgebärerin als Stillende dargestellt,[12] während sich in der westlichen Tradition seit dem 14. Jahrhundert vor allem die „Anbetung des göttlichen Kindes“ durchgesetzt hat.

In der klassischen Ikone der Geburt gibt es sonst keine weiteren Menschen in der Höhle. Dort finden sich nur noch die Tiere, die mit ihrem Atem Christus wärmten, wie der Prophet Jesaja weissagte: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht“ (Jes 1,3). Die beiden Tiere, der Ochse und der Esel, die bei der Geburt Christi dabei waren, verweisen schon auf die beiden Schächer, die später zur Rechten und Linken des Kreuzes Christi waren.

Von der oberen Seite der Ikone tritt ein Lichtstrahl zur Erde herab: In der Mitte der oberen Hälfte strahlt der Stern, der Christus der ganzen Schöpfung verkündete. Schon im Alten Testament findet er sich als Ankündigung Christi: „Ein Stern geht in Jakob auf“ (Num 24,17). Die Heiligen Justin, der Philosoph und Märtyrer, der Kirchenhistoriker Eusebios, Romanos der Melode und der Dichter des Akathistos-Hymnus erklären den Stern als christologisches Symbol. Professor Kalokyrēs hielt, neben vielen anderen Dingen, auch fest, dass „der Stern das Kommen, die Herabkunft des Gott-Logos aus den Himmeln sichtbar macht in der Höhle“.[13] In anderen Ikonen finden sich auch drei Strahlen des Sternes, die auf die Dreifaltigkeit hinweisen.[14] In einigen Fällen befindet sich der Stern sogar innerhalb der Geburtshöhle, manchmal aber durchbohren die Strahlen des Sterns sogar die Höhle und gelangen so bis zum Kopf Christi. Er ist der „zu Gott eilende Stern“, dem „die Weisen aus dem Osten“ folgten, um den „Unerreichbaren“ zu erreichen, wie es der Akathistos-Hymnus mit paradoxen Ausdrücken beschreibt.[15]

Die drei Weisen (griech. Magoi, Magier), erkennbar an ihren fremdartigen und auffälligen Gewändern, werden gewöhnlich im unteren Teil der Ikone dargestellt. Sie sind, nach dem Troparion der Hypakoē des Orthros des Festes, die „Erstlinge der Heiden“, die an den wahren Gott glauben. Sie begegnen der „äußersten Armut“, erkennen aber zugleich den „Reichtum der Gottheit“ des göttlichen Kindes. Sie stehen für die vernunftgeleiteten Menschen, die vom weltlichen Wissen nicht daran gehindert werden, Christus zu verehren. Die Gaben, die sie bringen, sind Gold, Weihrauch und Myrrhe. Das Gold symbolisiert die ewige Herrschaft Christi, der Weihrauch seine göttliche Natur und die Myrrhe seine Sterblichkeit, das heißt seine menschliche Natur. In den Personen sehen wir auch das ganze Spektrum der verschiedenen Lebensalter: jugendlich, erwachsen und alt. Einer der drei Weisen, der Balthasar genannt wird, wird immer sehr dunkel oder schwarz dargestellt. Dieses Detail führt vor Augen, dass alle Menschen, unabhängig von Alter, Ethnie oder Farbe, vor Gott gleich sind.[16]

Im linken oberen Teil der Ikone der Geburt des Erlösers bejubelt ein Chor von Engeln Christus und singt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, bei den Menschen Sein Wohlgefallen“, als Zeichen der Freude und der Ehrerbietung der Engel für Christus. „Die Mächte der Himmel jubeln und die Erde freut sich mit den Menschen“, so das Troparion, das den Orthros des Festes beschließt.

Unter den Engeln finden sich die Hirten, die für die einfachen Menschen stehen, die sofort die Botschaft der Erlösung vernommen und angenommen haben und zu Christus eilen. Im Rahmen der theologischen Lehre unserer Kirche wird, wie bereits gesagt, in der Ikone der Geburt Christi gleichsam die Begegnung aller Menschen mit Gott dargestellt. Bei Christus gibt es keine Gegenüberstellung, keinen Gegensatz zwischen armen und ungebildeten Hirten und den reichen und gebildeten Weisen. Stattdessen steht die alle Menschen betreffende Botschaft des Evangeliums der Kirche zur Erlösung aller Menschen ohne Unterschiede im Vordergrund, sei es in Bezug auf ihre ökonomische Situation, ihr Alter oder Ethnie.

Die Hirten sind die ersten Judäer, die Christus verehren, so wie die drei Weisen die ersten Heiden sind, die ersten von außerhalb Israels, die Seine Gottheit erkennen. Die einfachen Hirten empfingen sofort die Verkündigung der Geburt Christi, während die Weisen, die Gott durch die Wissenschaft und Erkenntnis suchten, erst später, nach Seiner Geburt, bei Ihm ankamen und Ihn verehrten. In der Ikone jedoch sind Zeit und Raum vereint, sodass das Auge des Gläubigen den Zusammenhalt der Ereignisse der Erzählung des Evangeliums in Bethlehem, der Ort, den schon die Propheten für die Erscheinung des Messias weisgesagt hatten, erfassen kann.

Durch den Einfluss der Hymnologie und der Tradition wurden auch noch andere Elemente zur Ikone der Geburt Christi hinzugefügt. Joseph wird weit entfernt vom Kind dargestellt, ganz allein in einer Ecke, wo er nicht an der Geburt Christi teilhat. Seine Rolle wird auf den Schutz der hl. Familie beschränkt. Neben ihm steht oft der Teufel in Gestalt eines Hirten, der in ihm Zweifel säen will. In der Hand hält er ein verstrocknetes Stück Holz und zeigt damit, dass, wie es unmöglich ist, dass ein vertrocknetes Holzstück wieder aussprieße, so es auch unmöglich sei, dass eine Jungfrau ein Kind gebäre. Es ist auch erwähnenswert, dass es Ikonen gibt, die den ausgetrockneten Stab als sprießend darstellen und so auf die Allmacht Gottes hinweisen. Joseph wird im Zustand tiefer Nachdenklichkeit gezeigt. Er hält seinen Kopf in seiner linken Hand, „innerlich bestürmt von Zweifeln“, wie es im Akathistos-Hymnus heißt.[17] Sein Ausdruck zeigt, dass er das große Mysterium nicht begreifen kann. So wird der „Zweifel“ Josephs dargestellt, was aber keine Missbilligung meint. Vielmehr zeigt es den Kampf und den Versuch des Menschen, seine Logik und seinen Egoismus zu überschreiten und mit Demut in den Raum des Glaubens vorzustoßen, auf dass ihm die Wahrheit geoffenbart werde. Der Hagiograph stellt oft auch den offenbarenden Traum Josephs dar, mit dem Engel über seinem Kopf.

In einigen Darstellungen der Geburt Christi wird zudem das Bad des neugeborenen Kindes durch die Hebammen. Mit dieser Abbildung wird nicht nur die Demut des Herrn betont, indem er Mensch wurde, sondern auch einigen menschlichen Gewohnheiten folgte, um uns in Seine Nähe zu führen, damit wir verstehen, dass Er als Mensch gelebt hat. In der Person Christi tritt eine andere Seinsweise in die Geschichte ein, eine eschatologische Existenz, in der zwei grundsätzliche Elemente des Lebens „nach dem Fall“ des Menschen überschritten werden, nämlich das Übersteigen der natürlichen Geburt mit der Jungfräulichkeit der Gottesgebärerin und jene des Todes durch die Auferstehung.

Eine der ältesten Darstellungen der Geburt des Erlösers, die zum weihnachtlichen Festkreis gehört, stammt aus dem Ende des 5. Jahrhunderts in der zerstörten Kirche zum hl. Sergios in der Stadt Gaza. Chorikios von Gaza, ein Rhetor des 6. Jahrhunderts beschreibt die Krippe, den Esel und den Ochsen, Elemente, die, wie er erklärt, aus den Prophezeiungen stammen. Außerdem berichtet er von der Gottesgebärerin, die in der Nähe des Kindes liegt, mit der linken Hand unterhalb des rechten Ellbogens; ihre Handfläche stützt ihr Gesicht. Der Rhetor betont, dass sie nicht müde aussieht, da sie nicht die Schmerzen der Geburt ertragen musste, „sie wurde gewürdigt, besser als die Natur zu gebären“. Großartig ist nach dem Rhetor auch die Beschreibung der Hirten, die ihre Herde bei ihren Hunden zurückgelassen haben, und mit hoch erhobenen Häuptern, so als würden sie den Himmelsruf vernehmen, dorthin eilen, wo der Engel „ihnen die Aufrichtigkeit des Kindes weist“. Charakteristisch für die Kunst sind auch die Details: Der Stern und dessen Licht spiegeln sich in den Wassern der Quelle wider, während die Schafe weiterhin weiden und der Hund das ungewöhnliche Phänomen untersucht.[18]

In der byzantinischen Ikonographie ist von besonderer Bedeutung, wie ein bestimmter Zeitpunkt der Vergangenheit mit der Ewigkeit und dem Reich Gottes verbunden wird. Die Ikone der Geburt Christi wird aus der Perspektive der Auferstehung und der zukünftigen Erlösung des Menschen betrachtet. Aus diesem Grund finden sich darin viele gleichzeitig abgebildete Ereignisse wieder: die Geburt, die Anbetung der Hirten, die Anbetung Christi der Weisen. Der Hagiograph interessiert sich nicht dafür, die Zeitpunkt gleichsam photographisch festzuhalten, sondern den Sinn der Geburt für die Erlösung der Menschen abzubilden. Alles steht unter der Eschatologie des Ereignisses: vom Plan bis hin zu den künstlerischen und optischen Ergebnissen. Aus diesem Grund nehmen die Schönheit und die Harmonie nur eine untergeordnete Rolle ein.[19]

Wenden wir uns nun der Auslegung des Ereignisses der Geburt Christi durch einige Väter der Kirche zu.

Der hl. Johannes Chrysostomus fasst den göttlichen Heilsplan des allmächtigen Schöpfers und dessen Erfüllung in wenigen kurzen Worten zusammen: „Denn Er wollte, es gefiel Ihm, Er stieg herab, Er rettete – alles läuft auf Gott zu“. Der hl. Vater spricht daher zu seinem Hörer: „Such nicht zu verstehen, wie es geschah“, denn die natürliche Ordnung wird überschritten, „wo auch immer Gott es will“. Er beschreibt mit intensiven Bildern die Geburt Christi und füllt sie mit theologischen Kommentaren auf: „Ein fremdartiges und paradoxes Geheimnis sehe ich […]. Die Engel lobpreisen […]. Bethlehem empfängt die singenden Engel und wird so selbst zum Himmel, um die Sonne der Gerechtigkeit aufzunehmen […]. Heute wird der Seiende selbst geboren und der Seiende wird, was Er zuvor nicht war. Obgleich Er Gott war, wird Er Mensch, ohne aufzuhören, Gott zu sein. Er ließ nicht Seine Gottheit zurück, um Mensch zu werden, auch wurde Er nicht auf, indem Er sich als Mensch zum Gott erhob, sondern als Logos wurde Er Fleisch und seine Natur blieb aufgrund seiner Unvergänglichkeit unveränderlich.“[20]

Damals, so Johannes Chrysostomus, missverstanden alle gelehrten Menschen die heiligen Schriften und leugneten die Gottheit des Kindes. Heute aber findet jeder Mensch bei Christus Erwiderung und Ermunterung. Alle eilen zu Ihm: Könige, Soldaten, Frauen, Jungfrauen, Säuglinge, Kinder, Männer, Hirten, Fischer, Priester, Sklaven, Zöllner, Ehebrecher, alle Arten von Sündern. Alle sind sie gekommen, um das Lamm Gottes zu sehen, das die Sünde der Welt hinweggenommen hat. Mit ihnen erhebt auch er sich, tanzt und feiert, denn die Windeln Christi sind die Hoffnung auf Erlösung. Diese Windeln in Händen haltend singt er: Ehre sei Gott in der Höhe...“.[21] Für dieses große Mysterium der heiligen Menschwerdung, so der Heilige weiter, gibt es keine Erklärung, wie auch nicht für die Geburt aus dem Vater vor aller Zeit. Wir erkennen die Geburt aus der Jungfrau und glauben an die Geburt des Sohnes und Logos aus dem Vater vor aller Zeit, die Art und Weise, wie dies geschehen ist, bleibt für den menschlichen Verstand jedoch unergründlich. Er selbst habe erst lernen müssen, vor diesem Geheimnis zu verstummen und sich nicht mit Fragen dieser Art zu beschäftigen, nicht um sie zu vermeiden, sondern um das unaussprechliche Geheimnis zu ehren. Denn es ist nicht der Natur gemäß geschehen, sondern ist ein übernatürliches Wunder und entstammt dem göttlichen Ratschluss.[22]

Eine Frage, die es allerdings wert ist gestellt zu werden, ist jene, warum der Einziggeborene, der Unberührbare, Einfache und Unkörperliche es auf sich genommen hat, einen vergänglichen und sichtbaren menschlichen Leib anzunehmen. Damit die Antwort auf diese Frage verständlich wird, führt der hl. Johannes Chrysostomus das Beispiel eines Künstlers an, der, wenn er gutes und hochwertiges Material findet, daraus die schönsten Dinge herzustellen vermag. So fand auch Christus den Leib und die Seele der Jungfrau in einem Zustand der Heiligkeit vor. In ihrer Person hat Er den Menschen auf jene Art geschaffen, wie Er es wollte, und hat sich darin für sich einen beseelten Tempel. Dieser Leib wurde bekleidet und sichtbar, ohne sich seiner vergänglichen Natur zu schämen. Sein Geschöpf empfing große Ehre als Kleid des Schöpfers. Das erste Geschöpf wurde geschaffen, nachdem der Schöpfer Lehm in Seine Hände genommen hat. Das geschundene „Gefäß“ des Menschen nach seinem Sündenfall könnte nicht einfach verändert werden und die ursprüngliche Schönheit wiederfinden, wenn sich nicht selbst sein Schöpfer damit bekleidet hätte. Das feine Werkzeug Seiner unaussprechlichen Macht wurde, nach der „Überschattung“ durch den Heiligen Geist die Jungfrau.[23]

Dieses Wunder der Erlösung des Menschen ruft beim hl. Johannes Chrysostomus großes Staunen hervor. Der „an Tagen Alte“ wurde ein Kind, der auf dem hohen und erhabenen Thron Sitzende wird in eine Krippe gelegt, der Unberührbare, der Einfache, Unteilbare und Unkörperliche wird in menschliche Arme gelegt. Er, der die Fesseln der Sünde zerbrach, weil Er so wollte, wird in Windeln gewickelt. Er wollte dem Entehrten zur Ehre verhelfen, die Schande mit Ruhm bekleiden, dem Hochmut die Tugend weisen. „Das Wort tritt in meinen Mund, damit in mir Sein Wort Raum nehme, Er nimmt mein Fleisch und gibt mir Seinen Geist, um mich zu heiligen und zu retten“, schreibt auf sehr persönliche Weise der hl. Johannes Chrysostomus.[24]

Auf sehr anschauliche Weise beschreibt er anschließend die Situation, in der sich das Göttliche Kinde und die Gottesgebärerin befanden: „Den Zimmermann und die Krippe sehe ich… das Kind und die Windeln… die verständige Jungfrau liegend. Große Armut… große Mittellosigkeit. Hast du aber den großen Reichtum inmitten der Armut gesehen? Der Reiche wurde um unseretwillen arm. Er hat weder Bett noch Matratze. Sie legten ihn mitten in eine harte Futterkrippe.“[25]

Der hl. Johannes Chrysostomus besingt die Armut der Gottesgebärerin und Christus; er beschreibt auch Joseph auf eine Weise, die es uns anzunehmen erlaubt, dass er schon früh auf der Ikone der Geburt Christus dargestellt wurde, wie auch der Teufel, der versucht, Zweifel über die Gottesgebärerin in ihm zu säen. Der große Vater und Lehre der Kirche antwortet auf eine Frage, die sich viele stellen: Warum wählte sich Christus eine Jungfrau zur Mutter? Er erklärt uns, dass der Teufel einst Eva betrog, jetzt aber der Engel Maria die Botschaft brachte. Eins brachte Eva das Wort hervor, das zur Ursache des Todes wurde, jetzt gebar Maria den Logos, das Wort, das zur Ursache des ewigen Lebens wurde. Das Wort der Eva wies den Baum, der Adam aus dem Paradies vertrieb. Das Wort Mariens wies das Kreuz, das den Schächer, dem Nachkommen, wieder in das Paradies führte. Dies alles geschah, dass sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen die Größe des Heilsplanes Gottes erfahren.[26]

In einer Predigt auf die Geburt des Erlösers, die dem hl. Gregor von Nyssa zugeschrieben wird, heißt es, dass Christus geduldig auf den Zeitpunkt Seiner Fleischwerdung wartete, um die Sünde, die der Teufel gepflanzt hatte, auszureißen. Dann erst griff Er zur Axt und riss sie mitsamt der Wurzel aus. Denn wie der Arzt, betont der Heilige, nicht in den menschlichen Körper eingreift, bis die Krankheit den höchsten Punkt erreicht. Erst wenn die ganze Krankheit zum Ausbruch gekommen ist, greift er ein. Auf gleiche Weise handelte auch Christus mit Seiner Fleischwerdung. So wartete Christus, bis die Krankheit der Bosheit ganz zum Ausbruch gekommen war und die menschliche Natur überwältigte, sodass auch nicht der kleinste verborgene Teil ohne Heilung bliebe und Er heilte alle, die in der Seele krank waren. Deshalb erschien Er auch nicht in der Zeit des Noe, in der die ganze Menschheit in Ungerechtigkeit verdorben war. Der Grund war der, dass noch viele andere Übel sich in der menschlichen Natur versteckt hielten.[27]

Erst als alle verdorben waren, als die Sünde sich überall ausgebreitet hatte, als Unrecht herrschte, als die Finsternis der Bosheit das höchste Maß erreichte,[28] da erstrahlte die Gnade und das wahre Licht ging auf. Der heilige Vater wendet sich auch an solche, die verschiedene Einwände dagegen vorbringen, die sich fragen, warum Christus, der geboren wurde, um die Bosheit auszumerzen, sie nicht ganz hätte vernichtet, denn jeden Tag geschehen Morde, Diebstähle, Ehebrüche und die schlimmsten Schlechtigkeiten. Aber wer dies feststellt, der soll seine Zweifel mit einem bekannten Beispiel lösen: Wenn wir nämlich eine Schlange töten, dass nicht der ganze Körper zugleich mit dem Kopf stirbt. Wenn aber der Kopf getötet wird, bleibt der restliche Körper noch lebendig und ist noch nicht seiner Lebenskraft beraubt. Das gleiche geschah auch im Fall, als Er den Drachen der Sünde tötete. Als das Tier mit allen einzelnen Menschengeschlechtern zugenommen hatte, zertrat Er dessen Kopf, das heißt Er vernichtete dessen Kraft, die das Gute vernichtet und in sich viele andere Köpfe fasst; aber Er hat sich nicht um den restlichen Körper gekümmert und hat die Bewegung im toten Tier zurückgelassen, um auf diese Weise den Späteren eine Gelegenheit zur Übung zu verschaffen.[29]

„Welches ist nun das zertretene Haupt? Das, welches durch den bösen Rat den Tod brachte und das tödliche Gift durch seinen Biss dem Menschen beibrachte. Der also die Macht des Todes vernichtete, hat die Macht im Haupte der Schlange zerschmettert, wie der Prophet sagt;  der übrige Rumpf des Tieres aber beschwert, mit dem menschlichen Leben vermischt, so lange die menschliche Natur den Bewegungen der Bosheit ausgesetzt ist, beständig durch die Schuppen der Sünde unser Leben. Im Wesentlichen ist er wohl bereits tot, nachdem das Haupt entseelt ist. Wenn aber die Zeit vorüber ist und die Bewegung in der erwarteten Vollendung dieses Lebens ihren Stillstand erreicht, dann wird der letzte und äußerste Teil des Feindes der Lebenskraft beraubt. Das ist aber der Tod. Und so wird die gänzliche Vernichtung der Bosheit zu Stande kommen, wenn Alle durch die Auferstehung in das Leben zurückgerufen und die Gerechten sogleich in die himmlische Erbschaft versetzt, die aber der Sünde gedient haben, dem höllischen Feuer übergeben werden.“[30]

In der Predigt wendet sich Gregor von Nyssa jedoch wieder zur „gegenwärtigen Freude“ von Weihnachten hin. Die Engel und die Weisen, die dem Stern folgen, werden zu Verkündern der Gnade Gottes, wie der prophetische Geist angekündigt hatte. „O Wunder! Die Jungfrau wird Mutter und bleibt Jungfrau.“ Die Gottesmutter ist die „neue Ordnung der Natur. Von den übrigen Frauen ist keine Mutter, so lange sie Jungfrau ist. Wenn sie aber Mutter geworden, ist sie nicht mehr im Besitz der Jungfrauschaft. Hier aber vereinigen sich beide Namen zu einer Einheit, denn die Nämliche ist Mutter und Jungfrau. Und so hat weder die Jungfrauschaft der Geburt ein Hindernis in den Weg gelegt, noch auch die Geburt der Jungfrauschaft verlustig gemacht. Denn es geziemte sich, da der, welcher im menschlichen Leben erschien, um das Weltall unversehrt zu erhalten, von der Unversehrtheit bei seiner Geburt den Anfang nahm. […] Da die göttliche Gnade den Menschen den Weg bahnt, das Gebären einer Jungfrau nicht für unglaublich zu halten, und sie durch die geringeren Wunder zur Annahme des Unglaublichen vorbereitet, so wird der Unfruchtbaren, die schon im Alter vorgerückt ist, ein Sohn geboren. Das bildet die Einleitung zum Wunder der Jungfrauschaft. Denn wie Elisabeth nicht durch natürliche Kraft Mutter wird, nachdem sie kinderlos ein hohes Alter erreicht hat, sondern die Geburt des Kindes dem göttlichen Willen zugeschrieben wird, so erhält auch die Unglaublichkeit einer gebärenden Jungfrau ihre Beglaubigung durch die Zurückführung auf Gott.“[31]

„Wenn du aber die Höhle siehst, in welcher der Herr geboren wird“, schreibt der hl. Gregor, „so denke an das dunkle und unterirdische Leben der Menschen, in welchem Er geboren wird und denen erscheint, die ‚in Finsternis und im Schatten des Todes‘ sitzen (vgl. Lk 1,79). In Windeln aber wird der gehüllt, welcher die Bande unserer Sünden sich anlegen lässt. Die Krippe aber, in welcher das Wort geboren wird, ist der Wohnort der Tiere, damit ‚der Ochs seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn‘ erkenne (Jes 1,3). Der Ochs ist der, welcher an das Gesetz gespannt ist; der Esel ist das lasttragende Thier, das beladen ist mit der Sünde des Götzendienstes. Aber die den Tieren entsprechende Lebensnahrung ist Gras. Denn der Prophet sagt: ‚Du lässt Gras wachsen für das Vieh.‘ (Ps 103,14). Das vernünftige Geschöpf lebt vom Brot. Deshalb wird nun in der Krippe, welche der Herd der Tiere ist, das vom Himmel herabgekommene Brot des Lebens (Joh 6,48) vorgesetzt, damit auch die unvernünftigen Tiere an der vernünftigen Nahrung Teil nehmen und vernünftig leben. Es liegt also in der Krippe mitten zwischen Ochs und Esel der Herr beider, damit er die Zwischenwand zerstöre und beide in sich zu einem neuen Menschen erschaffe (Eph 2,14), indem er dem einen das schwere Joch des Gesetzes abnimmt, den anderen von der Last des Götzendienstes befreit.“[32]

„Christus stammt aus dem Stamm Juda (Hebr 7,14), wie der Apostel sagt, aber die Judäer wurden nicht von Ihm erleuchtet, der aufstrahlte. Fremd ist den Weisen die Verheißung der Testamente, fern liegt ihnen die Segnung der Väter; aber sie kommen mit ihrer Erkenntnis dem israelitischen Volk zuvor, erkennen den Himmelsstern, und auch der König in der Höhle bleibt ihren Augen nicht verborgen. Jene bringen Geschenke, diese bereiten Nachstellungen. Jene beten an, diese verfolgen. Jene freuen sich, als sie den Gesuchten finden. ‚Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt‘ (Mt 2,10). Diese geraten über die Geburt des Angekündigten in Bestürzung. ‚Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem‘ (Mt 2,3). Diese bringen ihm Weihrauch wie einem Gott und verehren die königliche Würde im Gold und das bevorstehende Leiden zeigen sie mit einer gewissen Prophetengabe durch die Myrrhe an. Jene aber beschließen die gänzliche Vernichtung jeder Neugeburt. Dadurch verdienen sie nicht nur den Vorwurf der Härte, sondern auch des äußersten Unverstandes.“[33]

„Da aber die Menschheit von so vielen Übeln anders nicht befreit werden konnte, so übernahm es der ganz leidenslose König, seine Herrlichkeit für unser Leben einzusetzen. Und die Reinheit erscheint in unserm Schmutz, wie das Evangelium sagt: ‚Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst‘ (Joh 1,5). Denn durch das Erscheinen des Lichtes wird das Dunkel vernichtet, nicht wird die Sonne durch das Dunkel verdüstert. Das Sterbliche wird vom Leben verschlungen (vgl. 2 Kor 5,4) wie der Apostel sagt, nicht wird das Leben vom Tode aufgezehrt. Was dem Verderben anheimgefallen war, wird zugleich mit dem Unverdorbenen gerettet, nicht dehnt das Verderben sich auf das Unverdorbene aus. Deshalb entsteht eine gemeinsame Harmonie der ganzen Schöpfung, welche unter allen eintritt, welche die Lobpreisung zum Herrn der Schöpfung emporschicken, indem im Himmel, auf Erden und unter der Erde alle Zungen ausrufen: Unser Herr ist Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“[34]

Athanasius der Große hält es in seiner Schrift „Über die Menschwerdung“[35] für notwendig, damit die Menschenliebe des Schöpfers verständlich werde, über die Anfänge der Menschheitsgeschichte zu sprechen. Er betont also, dass der allmächtige Gott, als Er durch Sein Wort das Menschengeschlecht erschaffen hatte, ihm die Möglichkeit gegeben hatte, in der Unvergänglichkeit zu bleiben. „Die Menschen jedoch würdigten den geistigen Verkehr mit Gott wenig, kehrten sich davon ab, erdachten und ersannen sich die Bosheit […] und verfielen dem angedrohten Todesurteil. Jetzt sollten sie auch nicht mehr so bleiben, wie sie geschaffen worden sind, vielmehr sanken sie entsprechend ihrer Denkart immer tiefer, und der Tod wurde ihr Gewaltherr. Denn die Übertretung des Gebotes warf sie auf ihren natürlichen Urstand zurück, so dass sie, wie aus dem Nichts geworden, so auch mit Recht nach Ablauf der Zeit den Verlust ihrer Existenz zu gewärtigen hatten. […] Tatsächlich ist ja der Mensch von Natur aus sterblich, da er aus dem Nichts entstanden ist. Doch dank seiner Ähnlichkeit mit dem Seienden hätte er in dem Falle, dass er sie mit einer richtigen Herzensstellung zu ihm bewahrt hätte, die naturgemäße Auflösung von sich ferngehalten und wäre unverweslich geblieben.“ Sie wurden jedoch geschlagen von ihren vergänglichen Gelüsten und teuflischen Phantasien und haben nicht die Wahrheit angenommen, sondern haben sich mit dem Bösen vermengt, sodass sie nicht mehr vernünftig, sondern unvernünftig erschienen. Um die Menschen von dem ewigen Tod zu erretten, „deshalb also kommt der körperlose, unverwesliche und immaterielle Logos Gottes in unsere Heimat" und „um unseres Heiles willen offenbarte Er seine Menschenliebe, wollte in einem menschlichen Leibe geboren werden und erscheinen.“[36]

„Der Logos erkannte nämlich, dass das Verderben unter den Menschen nicht anders behoben werden könnte als durch seinen unbedingten Tod.“ Was sonst hätte geschehen sollen, um die Ebenbildlichkeit des Geschöpfs wieder zu erneuern, damit die Menschen dazu geführt werden, Ihn zu erkennen? Von Menschen aus wäre das unmöglich gewesen, denn sie waren nach Gottes Ebenbild geschaffen worden; auch nicht von Engeln, denn sie haben keinen Anteil an der Bildlichkeit. Die Erneuerung der Gottebenbildlichkeit konnte nur durch mit dem Kommen des Bildes Gottes selbst geschehen, das heißt durch das Kommen von Jesus Christus. Der Logos, das Wort Gottes, Er, der das „Bild des Vaters“ ist, wurde Mensch, um die Gottebenbildlichkeit des Menschen wiederaufzurichten. Um den Tod und die Vergänglichkeit zu vernichten, hat Er einen sterblichen Leib angenommen. Mit Seinen Werken schwächte er das Böse die seit Menschengedenken bösen Werke der Menschen wurden überschattet, auf dass die Menschen dort, wo sie gefallen waren, wieder aufstehen konnten, und um ihnen den wahren Vater zu weisen.[37] Der hl. Athanasius entwickelt das Thema der Fleischwerdung des Sohnes und Logos Gottes, indem er detailliert auf die Erzählung der Ereignisse in Bethlehem eingeht. Niemand kann sagen, bei diesen Worten nicht das in Windeln gewickelte göttliche Kind vor sich zu sehen, das der hl. Athanasius mit seinem theologischen Worten beschreibt.

Das gleiche Ziel verfolgte gut vier Jahrhunderte später der hl. Johannes von Damaskus. Er nähert sich der Geburt Christi an, indem er schreibt, dass der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um dem Menschen aufs Neue das zu schenken, für das Er ihn bestimmt hatte.[38] „Geschaffen hatte Er ihn nach seinem Bilde, denkend und selbstmächtig, und nach seinem Gleichnis, d. h. vollkommen in Tugenden, soweit es für eines Menschen Natur erreichbar ist. Das sind gleichsam die Kennzeichen der göttlichen Natur: die Kummer- und Sorglosigkeit, die Lauterkeit, die Güte, die Weisheit, die Gerechtigkeit, die Freiheit von jeglichem Übel. Er setzte den Menschen mit sich in Gemeinschaft […] und durch die Gemeinschaft mit sich erhob Er ihn zur Unvergänglichkeit. Durch die Übertretung des Gebotes aber verdunkelten und verwischten wir die Züge des göttlichen Bildes, gerieten in Schlechtigkeit und wurden der göttlichen Gemeinschaft beraubt – denn was hat die Finsternis mit dem Lichte gemein? Wir gingen des Lebens verlustig und verfielen dem Verderben des Todes, Er gab uns Anteil am Besseren, und wir bewahrten es nicht. Darum nimmt Er am Schlechteren, nämlich an unserer Natur teil, um durch sich und in sich die Form des Bildes und Gleichnisses zu erneuern, aber auch um uns den tugendhaften Wandel zu lehren, den Er durch sich uns leicht gemacht, um uns durch die Lebensgemeinschaft vom Untergang zu befreien, da Er der Erstling unserer Auferstehung  geworden, um das abgenützte und verbrauchte Gefäß zu erneuern, um uns von der Gewaltherrschaft des Teufels zu erlösen, indem Er uns zur Gotteserkenntnis berief, um uns zu stärken und zu unterweisen, durch Geduld und Demut den Tyrannen zu bezwingen.“[39]

„Nun hat der Dämonenkult aufgehört, die Schöpfung ist durch das göttliche Blut geheiligt, Götzenaltäre und -tempel sind niedergerissen, Gotteserkenntnis ist gepflanzt, die wesensgleiche Dreiheit, die ungeschaffene Gottheit wird angebetet, ein wahrer Gott, Schöpfer und Herr aller Dinge, Tugenden werden gepflegt, Auferstehungshoffnung ist durch Christi Auferstehung gegeben. […] Auf der ganzen Erde ist das Evangelium der Gotteserkenntnis verkündet. Nicht durch Krieg und Waffen und Heere hat es die Gegner geschlagen. Nein, Unbewaffnete, Arme, Ungelehrte, Verfolgte, Misshandelte, dem Tode Überlieferte haben den im Fleische Gekreuzigten und Gestorbenen verkündet und dadurch die Weisen und Mächtigen besiegt. […] Das sind die Großtaten der Erscheinung Christi, das die Kennzeichen seiner Macht. […] Er hat die ganze Menschheit vom Verderben des Todes und dem grausamen Tyrannen, der Sünde, befreit. Nicht mit Gewalt trieb Er die Sünder zur Tugend, Er verschüttete sie nicht mit Erde und verbrannte sie nicht mit Feuer und ließ sie nicht steinigen, sondern mit Sanftmut und Geduld überredete Er die Menschen, die Tugend zu wählen und für sie freudig Mühen und Kämpfe auf sich zu nehmen. Ja, einst wurden die Sünder misshandelt und hielten doch noch an der Sünde fest, die Sünde galt ihnen als Gott. Jetzt wählen sie um Frömmigkeit und Tugend willen Misshandlungen und Martern und Tod.“[40]

In einer anderen Predigt auf die Geburt Christi vergleicht der hl. Johannes von Damaskus das die Welt rettende Ereignis mit dem Frühling, der die ganze Natur erneuert. Gleichzeitig legt er sorgfältig das christologische Dogma dar. Der vollkommene Gott wurde selbst in der Natur vollkommener Mensch. Aber nicht durch eine Umwandlung der Natur und auch nicht, indem Er den Heilsplan offenbar machte, sondern im beseelten Fleisch, das Er auf vernunftgemäße und geistige Weise von der hl. Jungfrau empfing und in sich beide Naturen in einer Hypostase vereinte – unvermischt,, unverwandelt, ungetrennt und ungeteilt, vollkommen der Gottheit nach und vollkommen der Menschheit nach. Die allheilige Jungfrau ist die wahre Gottesgebärerin, denn sie gebar den wahren Gott, der aus ihr Fleisch angenommen hat. Unser Herr und Gott wurde geboren, um uns aus dem Winter des Irrtums und der Kälte der Täuschung zu retten und uns wieder zum Jubel des Frühlings zu führen. Er hat unseren Leib getragen, jedoch ohne Sünde und „Er hat uns zu Söhnen Seines eigenen Vaters gemacht und Miterben Seines Reiches“[41]. Auf eindringliche Weise ruft uns der Heilige dazu auf, sämtliche Stellen aus dem Evangelium zur Geburt Christi zusammenzusuchen und aufmerksam anzuhören. Nachdem er sie aufgeführt hat, setzt er mit einer Beschreibung des „furchtbaren Geheimnisses“ der göttlichen Geburt fort: Gott liegt, statt auf dem Thron der Cherubim zu thronen, in einer Krippe, um die Menschen aus der Unvernunft zur göttlichen Erkenntnis zu führen. Anstelle der Cherubim umgeben ihn unvernünftige Tiere. Er spricht von einer Hebamme, von den lobpreisenden Engeln, von der Freude der Engel, den hellstrahlenden Stern, der die erwählten Weisen, persische Könige, führt. Ein „rotfärbiger Ton“ herrscht vor, sodass die ganze Erzählung einer theologischen Analyse einer heiligen Ikone ähnelt, von der wir annehmen können, dass der Heilige sie vor Augen gehabt hat.

Um diesen Text über die Geburt der Ikone der Geburt Christi und ihrer Auslegung durch die Väter zu beschließen, soll noch die Ermunterung des hl. Ephräm des Syrers erwähnt werden, die sich an jeden Gläubigen richtet, um die Bedeutung der Menschwerdung des Erlösers besser zu verstehen: „Wer wird also, darüber nachsinnend, sich solch eine Geburt erdenken können? Wer wird die Art und Weise des Geheimnisses begreifen? Niemand soll versuchen, sich dem Unbegreifbaren mit menschlichen Gedanken zu erreichen, denn hier helfen keine Analogien, sondern nur der Glaube. Lass das Nachdenken sein, Mensch, und lass dich lehren, wie die Weisen anzubeten. Versuche erst, die Strahlen der Sonne zu ertragen, dann erst kannst du ohne Gefahr die jungfräuliche Geburt betrachten. Die Gottheit ist verbrennendes Feuer. Wenn du die Flamme anfassen willst, so wirst du deine Hände verbrennen, ohne etwas zu finden. Wir aber, wir lobpreisen die Geburt des Herrn im Fleisch von der Jungfrau und Seine Anbetung von der ganzen Schöpfung und bringen Ihm unser ganzes Leben zu Christus. Ihm gebührt alle Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“[42]

[1] Vgl. Olivier Clement, „À propos d’une théologie de l’icône“, in: Contacts 32 (1960) 164f. (Spezialausgabe: L’Icône). Der Verfasser bezieht sich hier auf Léonide Ouspenksy: „L’icone, souligne Léonide Ouspensky, sanctifie la vue, et déjà la transforme en sens de la vision: car Dieu ne s’est pas seulement fait entendre, il s’est fait voir, la gloire de la Trinité s’est révélée à travers la chair du Fils de l’Homme.“

[2] Ders., „Die Wahrheit wird euch befreien“. Im Gespräch mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. (Orthodoxē Martyria 59) [griech. Übersetzung aus dem Französischen], Nea Smyrni 1997, 109.

[3] Ebd. 87.

[4] Vgl. Konstantinos Kalokyres, La Theotokos dans l’art des églises orthodoxe et catholique par rapport au movement œcumenique, in: Epistēmonikē Epetēris Theologikēs Scholēs Panepistimiou Thessalonikēs 21 (1976) 43–51.

[5] Erstes Kathisma, Vierter Ton vom Orthros von Weihnachten.

[6] Photis Kontoglou, „Die Geburt in der Hagiographie“ [griech.], in: Ellēnikē Dēmiourgia 4/45 (1949) 1017–1020.

[7] Vgl. Max Thurian, Eucharistie. Einheit am Tisch des Herrn [franz. Original: L’Eucharistie. Mémorial du Seigneur. Sacrifice d’action de grâce et d’intercession, Neuchâtel 1963], Mainz 1963, 88–99 („Die Bilder und die eucharistische Feier“).

[8] Vgl. dazu ausführlich Konstantinos Kalokyrēs, Die Krippe von Weihnachten [griech.], Rethymnon 1992.

[9] Vgl. Léonide Ouspensky – Vladimir Lossky, Der Sinn der Ikonen, Bern u. a. 1952, 23. Vertiefend vgl. Léonide Ouspensky, La Théologie de l’Icone dans l’Église orthodoxe, Paris 1980, 133–175.

[10] Vgl. Konstantinos Kalokyrēs, Die Gottesgebärerin in der Ikonographie des Ostens und des Westens, Thessaloniki 1971, 149–153.

[11] Deutsche Ausgabe: Malerhandbuch des Malermönchs Dionysios vom Berge Athos, übers. v. Godehard Schäfer, München 1960 [Nachdruck 1983].

[12] Die Szene wird auch im vorfestlichen Kontakion beschrieben: „Freue dich, Bethlehem, rüste dich zu, Ephratha […]. Die gotttragenden Väter verkünden mit den lobsingenden Hirten die stillende Jungfrau.“

[13] Konstantinos Kalokyrēs, Der Stern von Bethlehem in der byzantinischen Kunst [griech.], Thessaloniki 1969, 1–30.

[14] Vgl. die Auslegung der Ikone der Geburt Christi in N. Zia, „Die Ikone der Geburt – Kommt, ihr Gläubigen, und seht…“, in: Sammelband zu Weihnachten, Athen 51999, 187–207, sowie auch Iannis Chatzēfotēs, Die Geburt in der byzantinischen Kunst, in: Das Weihnachten der Christenheit [griech.], Athen 2005.

[15] Griechischer und deutscher Text in: Προσευχητάριον – Gebetbuch, hg. v. Metropolis von Austria, Wien 2018, 168–171.

[16] Die Szene der Könige aus dem Osten ist nach Prof. Kalokyrēs sehr alt und begegnet schon in den Katakomben des 2. und 3. Jahrhunderts: Kalokyrēs, Gottesgebärerin in der Ikonographie, 152.

[17] Griechischer und deutscher Text in: Προσευχητάριον – Gebetbuch, 166 f.

[18] Enkomion für Markianos den Bischof von Gaza, Logos 1, 51–55, hg. v. R. Förster – E. Richtsteig, Choricii Gazaei opera, Leipzig 1929. Vgl. auch Konstantinos Kalokyrēs, Quellen der christlichen Archäologie (Texte und Denkmäler), Thessaloniki 1980, 218.

[19] Paul Evdokimov, Die Kunst der Ikone.

[20] Hl. Johannes Chrysostomus, Rede auf die Geburt unseres Herrn Jesus Christus (PG 56, 385–386).

[21] Vgl. ebd. (PG 56, 387).

[22] Vgl. ebd. (PG 56, 388).

[23] Vgl. ebd. (PG 56, 388).

[24] Vgl. ebd. (PG 56, 389).

[25] Ebd. (PG 56, 392).

[26] Vgl. ebd. (PG 56, 393–394).

[27] Hl. Gregor von Nyssa, Rede auf die Geburt unsers Herrn Jesus Christus und die Ermordung der Kinder in Bethlehem durch Herodes (PG 46, 1129D–1132A); deutsche Übersetzung: Gregor von Nyssa, Ausgewählte Reden, übers. v. Joseph Fisch (Bibliothek der Kirchenväter 70), Kempten 1880, 256–258: „Vielleicht aber könnte Einer dafür, dass der Herr nicht Anfangs erschienen ist, sondern am Ende der Zeiten dem menschlichen Leben die Erscheinung seiner Gottheit als Gnade gewährt hat, dies mit Recht als Grund annehmen, das Der, welcher mit der menschlichen Natur sich vereinigen wollte, um die Sünde auszurotten, notwendig abwartete, bis alle Sünde, die vom Feinde in die Erde gesäet worden, emporgewachsen war, – denn dann, wie das Evangelium sagt, legte er die Axt an die Wurzel. Denn auch die in ihrer Kunst hervorragenden Ärzte geben, wenn noch das Fieber den Körper im Innern durchglüht und allmählig durch die Ursachen der Krankheit sich entzündet, dem Krankheitszustande nach, bis das Leiden den höchsten Punkt erreicht, und kommen dem Kranken durch Arzneimittel nicht zu Hilfe. Wenn aber das Übel Halt macht, dann wenden sie ihre Kunst an, da die ganze Krankheit zum Ausbruch gekommen ist. So wartete auch der Arzt der Seelenkranken ab, bis die Krankheit der Bosheit, von welcher die Menschennatur überwältigt wurde, sich ganz enthüllt hatte, damit nicht etwas Verborgenes ohne Heilung bliebe, indem der Arzt nur Das heilen kann, was zum Vorschein gekommen ist. Daher bringt er weder in den Zeiten des Noe, da alles Fleisch in Ungerechtigkeit verdorben war, durch sein Erscheinen die Heilung, weil noch nicht der Keim der sodomitischen Bosheit sich entwickelt hatte, noch auch erscheint der Herr zur Zeit des Untergangs der Sodomiter, weil noch viele andere Übel in der Menschennatur verborgen waren. Denn wo ist der gegen Gott kämpfende Pharao? Wo ist die unbezwingbare Bosheit der Ägypter? Auch nicht einmal damals, nämlich zur Zeit der Bosheit der Ägypter, hielt der Verbesserer der Welt es für den geeigneten Zeitpunkt, in das Leben einzutreten, sondern es mussten noch die Gesetzesübertretungen der Israeliten an das Licht kommen. Es musste auch die Herrschaft er Assyrier und der Übermut des Nabuchodonosor, der noch unter der Asche glimmte, im Leben offenbar werden. Es musste die Blutschuld an den Heiligen wie eine böse und dornige Pflanze aus der bösen Wurzel des Teufels emporsprossen. Es musste die Wut der Juden gegen die Heiligen Gottes an den Tag treten, indem sie die Propheten töteten und Die steinigten, welche zu ihnen gesandt wurden, und zuletzt zwischen dem Tempel und Altar die Blutschuld des Zacharias auf sich luden. Füge zur Reihe der bösartigen Gewächse noch hinzu den Kindermord des Herodes!“ [der Text wurde hier und in den folgenden Zitaten leicht überarbeitet].

[28] Vgl. Röm 3,12: „Alle sind abtrünnig geworden, alle miteinander taugen nichts. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen.“

[29] Vgl. Gregor von Nyssa, Rede auf die Geburt (PG 46, 1132D–1133A); dt. Übersetzung ebd., 258 f.: „Es mag nämlich Einer vielleicht die Einwendung machen, dass der, welcher die Zeiten abwartete, wo die Bosheit an das Tageslicht käme, um sie, wenn sie groß geworden, samt der Wurzel auszurotten, sie ganz hätte vernichten sollen, so dass keine Spur von ihr im Leben übrig geblieben wäre. Nun aber werden Mordtaten, Diebstähle, Ehebrüche und alle Schlechtigkeiten frech ausgeübt. Aber wer darauf sieht, möge durch ein bekanntes Beispiel seinen Zweifel über diesen Punkt lösen. Wie man nämlich bei der Tötung von Schlangen wahrnehmen kann, dass nicht zugleich mit dem Haupte der gewundene Theil des Körpers das Leben einbüße, sondern das erstere tot, letzterer aber noch von dem ihm eigenen Leben beseelt und der Lebenskraft nicht beraubt ist, so hat auch der Verderber der Schlange, als das Tier mit allen einzelnen Geschlechtern der Menschen zugenommen hatte und grob geworden war, indem er das Haupt, das heißt die Kraft tötete, die das Gute vernichtet und viele Köpfe in sich fasst, keine Rücksicht auf den angehängten Rumpf genommen und die Bewegung im toten Tiere zurückgelassen, um den Späteren eine Gelegenheit zur Übung zu verschaffen.“

[30] Ebd. (PG 46, 1133BC); dt. Text Übersetzung ebd., 259.

[31] Ebd. (PG 46, 1136A–D); dt. Übersetzung ebd., 260–262.

[32] Ebd. (PG 46, 1143B–1144A); dt. Übersetzung ebd., 267 f.

[33] Ebd. (PG 46, 1144B); dt. Übersetzung ebd., 268 f.

[34] Ebd. (PG 46, 1149B–C); dt. Übersetzung ebd. 274 f.

[35] Athanasius der Große, Über die Menschwerdung des Logos und Seine Erscheinung im Fleische für uns (PG 25, 96D–197A); dt. Übersetzung: Athanasius, Ausgewählte Schriften Bd. 2, übers. v. Anton Stegmann – Hans Mertel (Bibliothek der Kirchenväter 31), München 1917.

[36] Ebd., 4 und 8 (PG 25, 104AB und 109A); dt. Übersetzung ebd., 606 f. und 611 f.

[37] Ebd., 9 (PG 25, 112A–C); dt. Übersetzung ebd., 612 f.

[38] Hl. Johannes von Damaskus, Expositio fidei, 77, hg. v. Bonifatius Kotter (Patristische Texte und Studien 12), Berlin – New York 1973, 174–176, viertes Buch, viertes Kapitel: „Warum ist der Sohn Gottes Mensch geworden, und nicht der Vater und der Geist?“; dt. Übersetzung: Des Johannes von Damaskus genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, übers. v. Dionys Steinhofer (Bibliothek der Kirchenväter 44), München 1923, 189–191.

[39] Ebd., 175; dt. Übersetzung ebd., 189 f.

[40] Ebd., 175 f.; dt. Übersetzung ebd., 190 f.

[41] Vgl. Johannes von Damaskus, Predigt auf die Geburt Christi, hg. v. Bonifatius Kotter (Schriften des Johannes von Damaskus 5), Berlin – New York 1988, 324–332.

[42] Hl. Ephräm der Syrer, Predigt auf die Weisen, die nach Jerusalem kamen, hg. v. K. G. Phratzolas, Die Werke des hl. Ephräm des Syrers Bd. 7 [griech.], Thessaloniki 1998, 433–438.

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