Die Freude der Auferstehung und das Kreuz

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Metropolit Arsenios von Austria und Exarch von Ungarn und Mitteleuropa

Meine geliebten Brüder und Schwestern, die Fastenzeit ist zu Ende, bald schon gelangen wir an das Ende der Hohen und Heiligen Karwoche und feiern das Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Diese Fastenzeit war heuer eine ganz besondere für die gesamte Orthodoxe Kirche, aber natürlich auch für alle anderen Konfessionen und religiösen Gemeinschaften. Wir wurden mit einer Krankheit konfrontiert, mit Leid, Tod und mit Unsicherheit auf globalem Niveau. In dieser schmerzhaften Situation müssen die Gläubigen sich des Kelchs des Lebens enthalten, sie müssen weit entfernt von Christus bleiben und in ihrer leiblich-seelischen Existenz Seiner Gegenwart und des göttlichen Trostes entbehren. Im Fall dieser Krankheit lebt unsere Heilige Kirche aus Liebe zum Nächsten genau jene grenzenlose Liebe, wie sie uns von Christus selbst gelehrt wurde: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22,39)

Das Leiden unseres Herrn führt zum Kreuz, an dem der einzig Sündlose geopfert wurde, um die Schönheit unserer ganzen Existenz in ihrer Ursprünglichkeit vor dem Sündenfall wiederherzustellen. Das Kreuz ist notwendig für die Auferstehung. Anders geht es nicht. Christus hörte weder auf dem Kreuz noch im Grab auch nur einen Augenblick auf, wesensgleich mit Gott zu sein. Gleichzeitig ist Er aber auch vollkommen Mensch. Indem Er Seinen dem Willen von Gott-Vater unterordnete, nahm Er es aus freiem Willen auf Sich, für uns auf dem Kreuz zu sterben – dort „zertrat“ Er um unseres Heiles willen den Tod und die Vergänglichkeit.

Das Kreuz ist das Ende der vergänglichen Welt, aber auch der Anfang des neuen Lebens, das mit der Auferstehung beginnt. Das ist der große Sieg Christi, der den Tod zertrat und den Menschen das ewige Leben schenkte. Wer an die Auferstehung glaubt, kann schon jetzt, im gegenwärtigen und vergänglichen Leben, den Vorgeschmack des Ewigen erleben. Das Kreuz Christi ist also kein Kreuz der Klage, sondern der Freude und des Frohmuts, denn auf ihm wurde die Sünde gekreuzigt, die ganze Welt wurde gereinigt und die Pforten des Himmels wurden für den neuen Menschen geöffnet, der in Christus Jesus wiederhergestellt wird.[1] Aus diesem Grund sind wir am Hohen Karfreitag, trotz dass die Kirche strenges Fasten und viele Gebete vorschreibt, nicht von Trauer erfüllt, die keine Hoffnung mehr kennt. Im Gegenteil, wir wissen, dass alles nach dem Kreuz beginnt. Es ist für uns der Beginn des neuen und ewigen Lebens. Die Große Fastenzeit wird in der Kirche nur einmal im Jahr gefeiert – Ostern und Auferstehung feiert sie jedoch jeden Sonntag und an jedem anderen Tag, an dem die Göttliche Liturgie gefeiert wird.[2] Dieses eucharistische Ethos der Auferstehung führt die Gläubigen aus den zahlreichen todbringenden Sünden in die lebenschaffende Mitauferstehung mit Christus, aus der irdischen und vergänglichen Natur des Menschen hinein in die himmlische und ewige Herrlichkeit.

Aus dieser Perspektive heraus betonen die Kirchenväter, dass wir nicht für Ostern oder die Kreuzigung Christi fasten. Ostern (Pascha) und das Kreuz Christi sind für uns kein Grund zur Klage, sondern zur Freude. Wir fasten und üben uns in Askese und Gebet wegen unserer eigenen Sünden. Diese sind es, die uns von Gott fernhalten, weil es unser Ziel ist, so rein wie möglich die Mysterien der Kirche zu feiern, deren Zentrum der Kelch des Lebens ist, die Göttliche Eucharistie.[3] Das Kreuz Christi ist ein Zeichen Seines Reiches und nur wenn wir dieses tragen können wir darin eintreten. Es ist ein Zeichen der Ehre und der Herrlichkeit Christi, wie auch eines jeden Christen.[4] Genau das feiern die Gottesdienste der Hohen Karwoche unserer Kirche, dass uns also verständlich wird, dass die geistliche Erhebung folgen muss. Als eine solche wird der Tag der Kreuzigung Christi verstanden.[5]

Der Schmerz im Leben eines Menschen ist sein ganz persönliches Kreuz. In der Nachahmung Christi, zu der wir berufen sind, müssen wir es auf uns nehmen und Golgota besteigen, aber stets mit der Erwartung und der Sicherheit der Auferstehung vor Augen. Das Kreuz Christi wird von den Vätern der Kirche sogar als „Arzt“[6] bezeichnet, denn es hat dem Menschen Heilung und Rettung vor dem ewigen Tod gebracht. Der Schmerz ist eine Folge des Sündenfalls und des Ungehorsams gegen die Gebote Gottes. Die Väter bezeichnen ihn sogar als eine Gabe der göttlichen Gnade im Leben des Menschen. Wie wir mit Vorsicht die Gaben Gottes verwalten, so müssen wir auch mit Vorsicht den Schmerz verwalten, damit er zur Erlösung unserer Seelen beiträgt.[7] Wie soll das aber geschehen, werden sich einige fragen. Der heilige Zeitpunkt des Schmerzes ist genau jener Zeitpunkt, in dem jeder Mensch aufgerufen ist, in sich zu gehen und zu fragen, was der Herr von ihm erwartet, wenn Er ihm diese Versuchung auferlegt. Was kann daraus Besseres hervorgehen? Was könnte der Nutzen sein, nicht nur für die eigene Seele, sondern auch für den Nächsten? Wir dürfen nie vergessen, dass es keine Erlösung ohne den Nächsten gibt. Unsere Erlösung geschieht immer durch den Bruder. Die Krankheit darf uns also nicht geistig voneinander trennen, sondern nur körperlich, sofern es notwendig ist. In den Fällen körperlicher Trennung aufgrund von Krankheiten, ist jeder Gläubige gerufen, die Botschaft der Auferstehung in seinem Gebet zu leben. In diesem ist er vereint mit seinen Brüdern und Schwestern und mit Gott. In ihm werden, mit der Gnade Gottes, Raum und Zeit überwunden.

Teilhabe an der Auferstehung und am Leben, am Licht, bedeutet, dass der Mensch durch seine reuevolle Umkehr (metanoia) und seine Reinigung durch das Mysterium der Beichte und Versöhnung teilhat am Mysterium der Göttlichen Eucharistie, am Kelch des Lebens. Es ist ein Gebot, das uns der Herr selbst gibt, dass wir vereint mit Ihm bleiben: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6,53­–56). Das Wort Christi ist überaus deutlich hinsichtlich der Art und Weise, wie wir unsere Beziehung zu Ihm erhalten sollen. Wer das Fleisch des Herrn nicht isst, geht des ewigen Lebens verlustig.[8] Er verliert die Möglichkeit, mit Christus vereint zu sein, nicht weil Christus ihn vertrieben hätte, sondern weil er selbst seine Abtrennung von jenem Weinstock wählte, der Christus und Kirche heißt. Alles in unserer Kirche geschieht mit Blick auf das Zentrum und das letzte Ziel: die Teilhabe des Menschen an der Göttlichen Eucharistie. Wir bleiben alle nur durch die Teilhabe am Mysterium der Göttlichen Eucharistie vereint, wie auch die Kinder eines Vaters mit diesem vereint sind, wenn sie das gleiche Blut haben. Sie sind seine Erben. Aus diesem Grund ist in den kirchlichen Texten immer wieder die Rede von den „Erben“ des Reiches Gottes. Denn jedes Mal, wenn wir an den makellosen Mysterien teilhaben, werden wir Mit-Leib und Mit-Blut mit Christus, wir sind Seine Erben, da wir das gleiche Blut haben. So sind wir in Einheit mit uns selbst, aber auch mit unserem gemeinsamen Vater. An der Göttlichen Eucharistie hat der Mensch nicht nur mit seiner Seele teil, sondern mit seinem ganzen Sein, denn Christus hat durch Seine Auferstehung den ganzen Menschen auferweckt.

Die Kirche „wird in den Mysterien erkannt“[9], betonen die Väter der Kirche und besonders „in der Eucharistie“ wird ihre Einheit zweifelsfrei erhalten. Die Kirche nimmt Form an und wird offenbar in der ununterbrochenen Teilhabe am Mysterium der Göttlichen Eucharistie. Die Versammlung in Christus und die Gemeinschaft in Ihm machen den eucharistischen Leib der Kirche vollkommen, an allen Orten und zu allen Zeiten im Leben der Gläubigen. Der Begriff „Eucharistie“ (Danksagung) wird in diesem Zusammenhang verwendet, um die Heiligung der eucharistischen Gaben zu bezeichnen, die Darbringung des Brotes und des Weines als geheiligter Leib und wahres Blut Christi und die lebenspendende Wandlung, die Teilhabe an diesen.[10] Auf Seinen Auftrag hin wird sie alle Zeiten hindurch ohne Unterlass als Gedächtnis des Opfers Christi dargebracht.[11] Mit seiner versöhnenden und heiligenden Gnade ist es das Zentrum des Lebens und des Gottesdienstes Seiner Kirche.[12] Das Kirchengebäude der Christen ist der Ort ihrer eucharistischen Teilhabe am Mystischen Abendmahl der Unsterblichkeit, im Rahmen der einmütigen Versammlung und des Gottesdienstes der geistig neugeschaffenen Kinder Gottes.[13]

Der hl. Nektarios beschreibt die Göttliche Eucharistie als „das höchste aller Mysterien, bewundernswerter als alle Wunder, welche die Macht Gottes vollbrachte. Sie ist das höchste von allem, was die Weisheit Gottes ersann. Sie ist die wertvollste aller Gaben, welche die Liebe Gottes den Menschen schenkte. Aus diesem Grund kann sie zu Recht auch das Wunder der Wunder und das Mysterium der Mysterien genannt werden. Im Mysterium der Heiligen Kommunion ist nicht nur die Gottheit, sondern auch die Menschheit Christi verborgen.“[14] Die Auferstehung und die Eucharistie als Grundlagen des Glaubens, als Quellen der Theologie, als immerwährendes Erleben der Heiligen, der erlebte Vorgeschmack der Einheit mit dem auferstandenen Herrn und die Teilhabe am himmlischen Altar – sie waren für die Kirche und die Gläubigen niemals nur eschatologische Vorstellungen einer künstlich erzeugten ethischen Futurologie.

Die Auferstehung Christi führt zu einem wahrhaft auferstandenen Menschen. Sie bedeutet ein auferstandenes Leben, ein Leben in Umkehr, mit einer Änderung des Geistes (nous), die österliche eucharistische Erfahrung und Wandlung. Damit aber der Mensch die österliche Erfahrung machen kann, muss er ein Leben führen, das die persönliche Gemeinschaft mit Gott pflegt, ausgehend von der Teilnahme am liturgischen Leben der Kirche und durch den liebevollen Umgang mit seinen Brüdern und Schwestern. Wenn er allerdings die Teilhabe am Mysterium der Göttlichen Eucharistie verweigert, dann verweigert er Christus selbst und ist nicht in Einheit mit Ihm und seinen Brüdern und Schwestern verbunden. Dann kann er die österliche Botschaft Christi nicht erleben und das wahre Leben nicht leben.

Wer zur Kommunion schreitet, empfängt den wahren Leib und das wahre Blut Christi, der geboren wurde, am Kreuz litt, von den Toten auferstanden ist und in den Himmel aufgenommen wurde. Der Gläubige empfängt die vollkommene menschliche Natur Christi, verbunden mit Seiner Gottheit, die unteilbar mit ihr vereint ist. Im weiteren Sinn empfängt er den Dreifaltigen Gott selbst.[15] Allein die Gegenwart Christi im Heiligen Kelch löst alles auf, wie das Licht die Dunkelheit auflöst. Die Gegenwart Christi kann durch nichts Vergängliches angefochten werden, findet Er sich doch selbst zur Gänze auf dem kleinen Löffel, damit Ihn der Gläubige empfängt. Auch alle liturgischen Geräte, wie auch der Kirchenraum selbst, werden von der Gegenwart Christi und der reinigenden Kraft der Gnade des Allheiligen Geistes geheiligt.

Im Bewusstsein der apostolischen und väterlichen Erfahrung und Lehre wird der Begriff „Kirche“ mit der Göttlichen Eucharistie identifiziert. Dies geschieht deshalb, weil die Kirche in ihrer Erfahrung verstanden hat, dass die Liebe Gottes mit der Kirche selbst zu identifizieren ist und die Kirche mit der Göttlichen Eucharistie. Folglich ist die Kirche der Ort, an dem die Liebe Gottes in die Welt ausgeschüttet wird und wo die Menschen ihr wahres Ziel finden. Die Kirche als Liebe Gottes ist kein Geschöpf aus dieser Welt. Sie wird im Eschaton geboren und steuert auf das Eschaton hin. Sie befindet sich in dieser Welt, ohne „aus dieser Welt“ zu sein.

Wir dürfen aber auch nicht die sühnende Rolle der reuevollen Umkehr (metanoia) vergessen, die uns in Kinder des Lichts verwandelt: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts!“ (Eph 5,8) Die metanoia wäre nicht notwendig, wäre die menschliche Natur nach dem Sündenfall der Erstgeschaffenen nicht dem Bösen zugeneigt, wenn wir durch die Verdunkelung des Verstandes nicht auf Gott und Seine Gebote vergessen würden. Der Mensch, das von Gott „nach Seinem Bild“ geschaffene Geschöpf, geriet in die Gewalt der Sünde. Der Sohn und Logos Gottes wurde Mensch und kam auf die Erde, denn nur Er konnte Sein Geschöpf von der Sünde befreien. Nur Er konnte, mit Seinem Kreuzesopfer und Seiner lebenspendenden Auferstehung, den geistig toten Menschen zu einem neuen Leben in Gott auferwecken, nur Er konnte ihn von einem Knecht der Sünde wieder zu einem Kind Gottes machen. Dieses Erlösungswerk des Herrn setzt die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche fort. Sie ist der Leib Christi, „Hospital“ der Seelen und Leiber, Mutter und Ernährerin der Gläubigen. Die Kirche Christi, deren „ganze Satzung“ der Heilige Geist „zusammenschmiedet“[16], wirkt mit ihrer reinen Lehre, ihrer unerschütterlichen Ordnung und ihren heiligen Mysterien die Heiligung ihrer Glieder und heilt mit ihrer rettenden Medizin ihre Wunden und Schwächen.

Der metanoia folgt, wie weiter oben ausgeführt und gemäß der Tradition der Kirche, das mündliche Bekenntnis der Sünden in der Beichte. Das Eingeständnis der Sünden ist die willentliche Offenlegung der schlechten Werke, Worte und Gedanken vor dem geistlichen Vater. Sie muss von innerer Ergriffenheit und Zerknirschung des Herzens begleitet werden.[17] Voraussetzung der metanoia ist die ehrliche und vollständige Selbsterforschung, die zur Reinigung des Gewissens führt, die Erkenntnis und schließlich das vollkommen freie Bekenntnis der Sünden. Auch die Ergriffenheit selbst spielt eine besondere Rolle in der metanoia, denn das Herz, das den Herrn betrübt hat, ist jetzt selbst betrübt, weil es undankbar Seinen Gaben und Seiner Liebe gegenüber war. Der Gläubige muss verstehen, warum er voll Reue umkehrt. Die metanoia führt ihn zu Christus, von dem er sich entfernt hatte. Wir wissen, dass Gott seit der Schöpfung der Welt Sein Geschöpf niemals verlassen hat. Dieses Wissen muss die Seele des Christen mit Optimismus und Freude erfüllen, um zu Christus zu laufen und ohne zu zögern die Sünden zu bereuen.

Das unablässige Gebet, wie es uns der Herr selbst und die Väter der Kirche gelehrt haben, führt uns in unserem Leben in Christus. Es bringt uns auf den Weg der Askese und beschneidet unseren eigenen Willen, indem wir unseren Geist unablässig zu Gott erheben.

Die Demut, die zur Umkehr (metanoia) führt, zieht die Gnade Gottes an und sichert die seelische Gesundheit. Frucht der gottgemäßen Traurigkeit ist die Festigung des Menschen in der Tugend. Der Völkerapostel Paulus verkündet: „Die gottgewollte Traurigkeit verursacht nämlich Sinnesänderung zum Heil“ (1 Kor 7,10). Im Gegenteil dazu erfüllt die Einbildung die Seele mit Komplexen und verleitet sie zu sündhaftem Verhalten. Der wahrhaft Gläubige wird durch die Beichte und die Vergebung von der Schuld befreit und er freut sich der Freiheit, die ihm Christus schenkte, wissend, dass er durch das kostbare Blut Christi und nicht durch sein eigenes Verdienst gereinigt wurde. Das Christentum ist Freiheit und deshalb muss auch die Umkehr (metanoia) in vollkommener Freiheit geschehen.[18] Die innerliche Erneuerung des Gläubigen wird vollkommen durch die unmittelbare Erfahrung des Lichts und die Vergöttlichung, welche die Frucht der geheimnisvoll wirkenden Gnade und der menschlichen Zusammenarbeit (synergeia) ist, wie wir es im Leben der Kirche erfahren.

Der Mensch, der die Umkehr wahrhaft lebt, kehrt nicht wieder in die früheren Sünden zurück und hängt auch nicht vergänglichen Personen oder Dingen an. Er wird auch nicht angezogen von flüchtigen Begierden, sondern verachtet das Gegenwärtige und erwartet das Zukünftige. Er kämpft gegen die Leidenschaften und strebt nach den Tugenden, er wacht im Gebet, ist nachsichtig, barmherzig und seinen Mitmenschen gegenüber hilfsbereit. Der hl. Gregorios Palamas, den die heilige Kirche während der Fastenzeit ehrt, ermunterte die Gläubigen dazu, Werke der metanoia zu erlangen. Darunter zählt er die demütige Gesinnung, die Ergriffenheit und die Traurigkeit. Alle Kennzeichen des Christen, der die metanoia lebt, zusammenfassend, schreibt er, dass er friedfertig ist, ruhig und voller Erbarmen und Mitgefühl den Anderen gegenüber. Er sehnt sich nach Gerechtigkeit, strebt nach Reinheit, er hat und bringt auch den Frieden, er erträgt geduldig die Schmerzen und alles, was er für die Wahrheit und die Gerechtigkeit erleidet.[19] Mit einem Wort: Er wird zu einem „Kind des Lichts“.

Der hl. Gregor der Theologe betont, dass für den Christen das Licht die Erkenntnis Christi und das Leben in Gott ist, während die Dunkelheit die Unkenntnis Christi und die Sünde ist. Wie das physische Licht für das Leben eines jeden Geschöpfes notwendig ist, so ist auch Christus, das wahre Licht, notwendig für das wahre Leben, nicht nur für das reine Überleben.[20] Das ist das Licht, das der Christ an Ostern eingeladen ist zu empfangen: Christus selbst, den er auf dem heiligen Altar findet, wo Er sich für den Menschen hingibt. Wenn wir Christus nach der richtigen Vorbereitung empfangen, hat dies den größten geistlichen Nutzen. Im österlichen Orthros singen wir: „Mit gereinigten Sinnen sehen wir im unzugänglichen Licht der Auferstehung Christus hervorstrahlen und …“[21] Wenn wir unsere Sinne, den Geist und die Augen der Seele und des Leibes reinigen, werden wir gewürdigt, mit den Augen der Seele Christus zu sehen, der, auferstanden aus dem Grab, heller strahlt als die Sonne. Der Herr selbst hat uns versichert, dass „die im Herzen Reinen Gott schauen werden“ (Mt 5,8).

Wenn der Mensch gottgemäß lebt, wird er selbst zum Licht, das von seinen Mitmenschen gesehen wird, wie Christus sagte: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). Der hl. Johannes Chrysostomus erklärt dies auf diese Weise: „[…] damit sowohl das Leben mit den Lehren übereinstimmt und die Lehren das Leben verkünden“[22].

Das Licht der Auferstehung gibt dem Menschen Kraft, in der Vorläufigkeit und Lüge des irdischen Lebens zu bestehen. Schon in diesem Leben beginnt er, sich jeden Tag neu in die Perspektive der Ewigkeit bei Christus einzuüben. Das ist der Grund, der die Unterwelt zuschanden werden lässt. Christus hat mit Seiner Auferstehung den alten und gefallenen Adam neu geschaffen.[23] So gewährt Er jedem Menschen die Möglichkeit der Neuschöpfung und der Neugeburt: Der Gläubige ist gerufen, den alten Menschen, der das Dunkel gewählt hat, zurückzulassen und dem Licht zu folgen, davon überzeugt, dass es nichts anderes ist als Christus selbst. Sein ganzes Leben lang muss der Christ um dieses Licht kämpfen, um es zu bewahren und die Freude der Auferstehung zu leben. Er sieht das leere Grab Christi, wird aber nicht von den äußerlichen Umständen dieser Welt in die Irre geführt, denn er gehört nicht mehr in diese Welt.

Wir wollen stets an die Worte des hl. Porphyrios denken, die gerade in den gegenwärtigen Umständen eine besonders große Bedeutung haben: „Das Leben ohne Christus ist kein Leben. So einfach. Wenn du Christus nicht in allen deinen Werken und Gedanken siehst, bist du ohne Christus. Christus kennt keine Niedergeschlagenheit, keine Melancholie, keine Introvertiertheit, … der Mensch denkt und plagt sich mit verschiedenen Gedanken und Lasten, die ihn in seinem Leben verwundet haben. Christus ist das neue Leben. Wie ich das sage? Christus ist alles. Er ist die Freude, das Licht, das wahre Licht, das den Menschen erfreut und fliegen lässt, damit er alles und alle sieht, für alle leidet und alle nahe bei Ihm wissen möchte: alle bei Christus.“[24]

Freuen wir uns also, meine Brüder und Schwestern, über dieses besondere Osterfest, über die Auferstehung Christi. Lassen wir nicht zu, dass es vom Dunkel des Todes überschattet wird. Christus hat den Tod für uns besiegt. Erwarten wir sehnsüchtig den Moment, in dem wir uns wieder in unseren Kirchen versammeln, um „Mit-Leib“ und „Mit-Blut“ mit Christus zu werden, vereint um den Kelch des Lebens, wie Rebzweige am Weinstock des Herrn!

Christus ist auferstanden, meine Brüder und Schwestern!

 

[1] Vgl. Johannes Chrysostomus, Adv. Jud., or. 1: „Das Pascha ist also nicht des Fastens und der Trauer, sondern Unterpfand des Frohmuts und der Freude. Denn das Kreuz hat die Sünde ausgelöscht und wurde zur Sünde der ganzen Welt, Ausgleich für Jahre der Feinschaft, es hat die Pforten des Himmels geöffnet […] und hat uns zahllose andere Güter gewährt. Niemand muss also mehr klagen oder sich der Traurigkeit hingeben, sondern jubeln und sich über dies alles freuen“ (PG 48, 867). Ders., In illud, pater, si possibile est […]: „Das Kreuz ist der Aufweis der Liebe Gottes“ (PG 51, 35).

[2] Vgl. Ders., Adv. Jud., or. 1: „Die Große Fastenzeit wird nur einmal im Jahr gefeiert, das Pascha aber dreimal oder viermal in der Woche, oder sogar sooft wir wollen. Pascha ist nicht Fasten, sondern Darbringung und Opfer, das in jeder Versammlung geschieht“ (PG 48, 867).

[3] Vgl. ebd.: „[…] denn wir fasten nicht für das Pascha oder für das Kreuz, sondern wegen unserer eigenen Sünden, denn wir wollen uns den Mysterien nähern.“

[4] Vgl. Ders., In duas sequ. de cruce et latrone hom.: „Zwar sehen wir Nägel und das Kreuz, aber dieses Kreuz selbst ist, sagt er, ein Symbol des Reiches Gottes.“ (PG 49, 403).

[5] Vgl. ebd.: „Heute ist unser Herr Jesus Christus auf dem Kreuz und wir feiern ein Fest, damit du lernst, dass das Kreuz ein geistiges Fest und Hochfest ist“ (PG 49, 399).

[6] Athanasius der Große, „Die Schöpfung streckte sich zur Erlösung aus und als das Kreuz kam, zeigte es sich als Arzt. […]“ (PG 28, 1056C).

[7] Vgl. Johannes Chrysostomus, In cap. XV genes. hom. 37: „Warum sage ich ‚unser Schmerz‘? Nein, er ist vielmehr Geschenk der Gnade Gottes. Mit großer Sorgfalt wollen wir auch wir die Gaben Gottes annehmen, um sie zum Heil der Seele zu verwenden und so von dort weggehen.“ (PG 53, 342).

[8] Vgl. Johannes Chrysostomus, De sacerdotio 3, 5: „Denn wenn niemand ins Himmelreich eingehen kann, er sei denn wiedergeboren aus dem Wasser um dem Geiste, und wenn derjenige ausgeschlossen ist vom ewigen Leben, der das Fleisch des Herrn nicht ißt und sein Blut nicht trinkt, und wenn dies alles durch niemand anders vollbracht wird als durch jene heiligen Hände — ich meine die Hände des Priesters —, wie wird dann ohne dieselben jemand dem Feuer der Hölle entrinnen oder die hinterlegten Kronen erlangen können?“ (BKV 27, 144).

[9] Vgl. Nikolaos Kabasilas, Auf die Göttliche Liturgie, 39, 1 (EPE Philokalia 22), 190.

[10] Vgl. Ignatius von Antiochien, Smyr. 6, 1–2: „Niemand lasse sich täuschen; sogar die himmlischen Mächte und die Herrlichkeit der Engel und die sichtbaren und unsichtbaren Herrscher, auch sie müssen des Gerichtes gewärtig sein, wenn sie nicht an das Blut Jesu Christi glauben. […] Lernet sie kennen, die Sonderlehren aufstellen über die Gnade Jesu Christi, die zu uns gekommen ist […]“ (BKV 35, 149).

[11] Vgl. Mt 26,26–29; Mk 14,22­–25; Lk 22,15–20; Joh 6,47–58; 1 Kor 11,23–29.

[12] Vgl. Ioannes Karmires, Eucharistia Theia, in: Threskeutike kai Ethike Bibliotheke 5 [griech], 1119–1131. Panagiotes N. Trempelas, Dogmatike, Bd. 3, Athen 1979 [griech.], 142–238.

[13] Vgl. Nikodemos Hagioreites, Chrestoetheia ton Christianon, Thessaloniki 1974 [griech.], 110, 293.

[14] Vgl. Nektarios, Metropolit von Pentapolis, Über das Mysterium der Göttlichen Eucharistie, Athen 2017 [griech.], 44.

[15] Vgl. Johannes von Damaskus, Expositio fidei 4, 13: „Teilnahme heißt sie (= die Opfergabe). Denn durch sie nehmen wir an der Gottheit Jesu teil. Gemeinschaft heißt und ist sie wirklich. Denn durch sie haben wir Gemeinschaft mit Christus und werden seines Fleisches und seiner Gottheit teilhaftig. Durch sie treten wir aber auch untereinander in Gemeinschaft und Verbindung. Denn wir alle, die wir an einem Brote teilnehmen, werden ein Leib und ein Blut Christi und Glieder voneinander, da wir mit Christus zu einem Leib vereinigt sind.“ (BKV 44, 216).

[16] Idiomelon der Vesper von Pfingsten.

[17] Vgl. Nikodemos Hagioreites, Exomologetarion, Athen 1994 [griech.], 213.

[18] Vgl. Altvater Porphyrios, Sammlung von Ratschlägen [griech.], Athen 2003, 76–84.

[19] Vgl. Gregorios Palamas, hom. 31 (PG 151, 392CD–393A).

[20] Vgl. Gregor der Theologe, or. 2, 20, 28, in: Theologische Reden, hg. v. Hermann J. Sieben (FC 22), Freiburg i. Br. u. a.

[21] Erstes Troparion der Ersten Ode des österlichen Kanons. Vgl. auch die Erklärung des hl. Nikodemos Hagioreites, Heortodromion, Venedig 1836 [griech.], 420 f.

[22] Vgl. Johannes Chrysostomus, In cap. I Genes. hom. 2 (PG 53, 31); Ders., In Genesim sermo 1: „Gott wird nicht nur durch richtige Lehren verehrt, sondern auch durch einen vorzüglichen Lebenswandel“ (PG 54, 585).

[23] Vgl. Gregor der Theologe, Rede 17, „Es ist die Zeit der Neugeburt, auf dass wir von oben her geboren werden. Es ist die Zeit der Neuschöpfung, den ersten Adam wollen wir wieder aufnehmen. Bleiben wir nicht so, wie wir sind, sondern so, wie wir waren, wollen wir werden. Das Licht leuchtet in der Finsternis, in diesem Leben, und im Fleische. Und von der Finsternis wird es verfolgt, aber doch nicht erfasst […]“ (PG 36, 336B).

[24] Altvater Porphyrios der Kavsokalyvit, Christus ist alles, Milesi (Attika) 2013 [griech.], 19.

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