Kirchen und Religionen verstärken Zusammenarbeit in Österreich

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Die in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften wollen künftig noch enger zusammenarbeiten, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land zu stärken und sich zugleich weltweit für mehr Religionsfreiheit einzusetzen. Das ist das Ergebnis der ersten Dialogrunde von Vertretern der 16 Religionsgemeinschaften mit Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz am Dienstag in Wien. Unter den Teilnehmern war auch Metropolit Arsenios seitens der Orthodoxe Kirche. Er sagte der neuen Dialog-Initiative die volle Unterstützung der Orthodoxen Kirche zu. Religion sei immer wieder für Kriege missbraucht worden, sie könne, ja müsse aber vielmehr Teil der Versöhnung sein, so der Metropolit von Austria. Er betonte den Begriff der Toleranz, welche im Namen der Toleranz nicht zu Intoleranz – heutzutage besonders Christinnen und Christen gegenüber – führen darf. “Religion ist nicht nur die Begegnung des Menschen mit Gott, sondern auch die Begegnung des Menschen mit seinem Mitmenschen”, so Metropolit Arsenios.

In seinem Grußworte an die versammelten Vertreter der Religionsgemeinschaften und den Außenminister sagte der Metropolit, dass sich die Orthodoxe Kirche in Österreich im Wege ihrer Bischofskonferenz in den entstehenden Dialog zum Wohle aller Menschen tatkräftig einbringen wird.

2776271962.jpgIn Österreich gebe es eine gute Tradition des Dialogs zwischen den Religionen, sagte Außenminister Sebastian  Kurz im Anschluss an das Treffen bei einer Pressekonferenz. Diese Tradition solle nun noch intensiviert werden. Er erhoffe sich davon nicht nur Fortschritte bei der Integration von Migranten in Österreich, sondern wolle auch die österreichische Außenpolitik verstärkt profilieren. “Wir wollen Religionsfreiheit zu einem Thema machen und uns weltweit für eine stärkere Beachtung dieses grundlegenden Menschenrechts einsetzen”, so der Außenminister.

Schönborn für religiöse Symbole in Öffentlichkeit

Kardinal Christoph Schönborn würdigte die neue Initiative. Damit werde auch der EU-Vertrag von Lissabon, wonach es einen strukturierten Dialog zwischen Religionsgemeinschaften und Politik geben soll, in die nationale Praxis umgesetzt.

Eine Grundhaltung des Respekts und der Achtung der religiösen Überzeugung des anderen sei die Basis für jedes Zusammenleben, so der Kardinal weiter. Zugleich betonte er, dass religiöse Symbole im öffentlichen Raum ihren Platz haben müssten. Die jüngste Debatten über Kreuze in Klassenzimmern, religiöse Beschneidungen oder das Kopftuch würden zeigen, dass dies aber keine Selbstverständlichkeit sei.

Auf Nachfrage betonten sowohl Schönborn als auch Kurz, dass sie die derzeitige Rechtsordnung bzgl. Kreuzen in Klassenzimmern für angebracht hielten.

Christen, Juden und Muslime für Dialogintiative

Ohne Beschneidung und Schächten, die beide Säulen des jüdischen Lebens sind, sei jüdisches Leben in Europa nicht möglich, betonte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der jüngste Terror-Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel zeige, “dass man leider noch immer nicht überall in Freiheit und Frieden leben kann”. Gerade auch nach der jüngsten Europawahl, die zumindest einen kleinen Rechtsruck gebracht habe, sei die Politik umso mehr dazu aufgerufen, gegen Antisemitismus und Rassismus anzukämpfen und entschieden für Religionsfreiheit einzutreten, so Deutsch.

Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, bekundete die Bereitschaft der Muslime im Land, sich für Religionsfreiheit und gegen jede Form von Antisemitismus einzusetzen. “Wir sind eine kleine Gemeinde, aber in Österreich tun wir unser Bestes, um den Antisemitismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bekämpfen.” Er hoffe auf eine baldige Novellierung des Islam-Gesetzes. Wenn dieses an moderne Herausforderungen angepasst wird, würde das wesentlich zur Integration der Muslime in Österreich beitragen.

Der lutherische Bischof Michael Bünker würdigte ebenfalls die neue Dialog-Initiative. Diese bringe die Pluralität der Religionsgemeinschaften in Österreich zum Ausdruck. Dieser Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und staatlichen Stellen sei nicht selbstverständlich, liege aber im Interesse aller Menschen im Land, so Bünker.

Auf Anfrage meinte Außenminister Kurz zu den jüngsten Vorkommnissen in einer niederösterreichischen Volksschule, wo sich die Eltern eines Kindes ohne religiöses Bekenntnis gegen das Singen von Erstkommunionliedern im Musikunterricht ausgesprochen hatten und sich in ihrer Religionsfreiheit beeinträchtigt sahen, dies sei “lächerlich”.

Ein Ergebnis der ersten Dialog-Runde der Religionen: Im Juni soll eine Expertenkommission ihre Arbeit aufnehmen, die sich dem Thema Religionsfreiheit widmen wird. U.a. sollen Strategien entwickelt werden, wie in der österreichischen Außenpolitik dieses Anliegen noch besser umgesetzt werden kann.

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